Heggie: Dead Man Walking

Hagen

Opernwelt - Logo

Bei Jake Heggie zeichnet sich eine neue Wertschätzung alter Tonalitätstugenden durch junge Komponisten ab. Orchestrale Sprachfähigkeit geht in seiner Oper «Dead Man Walking» einher mit betont kantablem Ausdruck. Leichter Holly­wood-Sound hier und da mag von der Kenntnis des Tim-Robbins-Films her­rüh­ren. Hagen präsentierte die zweite deutsche Inszenierung nach der vorjährigen Dresdner Produktion.

Radoslaw Wielgus (Joseph) und Marilyn Bennett (ihre Sister Helen erhielt in der besuchten Vorstellung Szenenbeifall) finden zu beklemmenden Leistungen, vor allem der junge Bariton, der den Weg eines Verbrechers zum Büßer glaubhaft zu machen hat.
Dies nämlich ist, kurz gefasst, die Handlung: Joseph De Rocher hat, sexuell und durch Alkohol aufgeputscht, ein Liebespaar ermordet. Todesurteil. Dem Delinquenten steht die sozial engagierte Schwester Helen Prejean beim letzten Gang zur Seite. Tief religiös geprägt, fordert sie Joseph zuvor ein Schuldgeständnis ab, gleichzeitig wächst ihre persön­liche Zuneigung. Nachdem bei der Hinrichtung (durch Spritze) die Musik geschwiegen hat, erfüllt allein Helens gläubige, tröstende Stimme den Raum.
Roman Hovenbitzer hat schnörkellos und berührend im Detail ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 47
von Matthias Norquet

Vergriffen
Weitere Beiträge
Erneuerung und Bewahrung

Der Titel war gut gewählt, denn er formulierte einen ers­ten Befund: «Angst vor der Zerstörung.» Um Positionen des Musiktheaters (natürlich besonders des Wagner’schen) zwischen Archiv und Erneuerung ging es bei einem hochkarätig besetzten Symposion während der Bayreuther Festspiele. Ein von der FU Berlin und den Festspielen gemeinsam initiiertes Wochenende, bei dem...

Bewegung tut gut

Manchmal verdanken sich Entscheidungen, die eine ganze Branche umkrempeln, sehr banalen Umständen. Als der niederländische Elektronikriese Philips und sein japanischer Konkurrent Sony Anfang der achtziger Jahre die Entwicklung ­digitalisierter Aufnahme- und Wiedergabeverfahren so weit vorangetrieben hatten, dass sie kurz vor der Markt­reife standen, gab es noch ein...

Auf Flügeln in den Untergang

Dass skandinavische Wagner-Stimmen die besten seien, ist ein Klischee. Oder? Zum Abschluss der Stockholmer «Ring»-Tetralogie mit «Götterdämmerung» (alias «Ragnarök») glaubt sich der Zugereiste in einen Jungbrunnen kraftschöpfender, so charaktervoller wie textverständlicher Wagner-Virtuosen versetzt.
Das liegt auch daran, dass Dirigent Gregor Bühl für die naturhaft...