Haus der Geschichte(n)
Ein nostalgisches Karussell mit bunten Holzpferdchen dreht auf der Bühne seine Runden. «Ringelspiel» nennt man ein solches Kinderkarussell in Österreich. Später kreiselt auch noch der Bühnenboden, aber in die Gegenrichtung. Am Schluss hebt das Dach ab und verwandelt sich in jene Windmühlenflügel, gegen die der Ritter von der traurigen Gestalt Don Quijote vor Jahrhunderten vergeblich ankämpfte. Das alles sieht imposant aus und zeigt, was die nagelneue, tadellos schnurrende Bühnentechnik am frisch sanierten (Musik-)Theater an der Wien so alles draufhat.
Künstlerisch bleibt der Neustart leider etwas matt. Pünktlich zum 200. Geburtstag von Johann Strauss wurde eine seiner vergessenen Operetten ausgegraben: «Das Spitzentuch der Königin» war nach der Uraufführung 1880 am gleichen Ort einer der größten Erfolge des Walzerkönigs.
Die Handlung ist im Portugal des 16. Jahrhunderts angesiedelt, wo ein gewisser Cervantes auftaucht und sich in die Staatsgeschäfte einmischt. Das Land steht unter der Fuchtel eines skrupellosen Premierministers, der junge König frönt hedonistischen (gern außerehelichen) Genüssen, der Fortbestand der Monarchie ist bedroht. Für die Wiener Gesellschaft von 1880 war ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Regine Müller
Zur Zeit der ersten Aufführungen von Giuseppe Verdis «La forza del destino» in Petersburg (1862) und Mailand (1869, in umgearbeiteter Fassung) war das Orchestervorspiel die Schwelle zwischen der gesellschaftlichen Realität und dem ersten Sängerauftritt: Die wenig geachtete Instrumentalmusik diente der Beruhigung der erhitzten Körper und entfesselten Mundwerke; was...
Im oberen Fenster eines bunt bemalten Fachwerkhauses klebt ein selbstgebasteltes Pappschild: «Für die Vielfalt! Gegen rechts!». Hildesheim ist ein kleines Juwel der Fachwerkarchitektur. Neben einer mühevoll wiederaufgebauten Innenstadt, die diesbezüglich im Zweiten Weltkrieg einen großen Bestand eingebüßt hat, gibt es ganze Straßenzüge mit erhaltenen, aufwendig...
Im alten Reclam-Heftchen mit dem Text der «Meistersinger», das im Besitz seiner Familie war, stand bei Evchens Worten im dritten Aufzug: «O Sachs! Mein Freund! Du teurer Mann!» eine handschriftliche Regieanweisung. Sein Vater hatte sie dort an den Rand gekritzelt – und sie galt als verbindlich für den kleinen Otto und seine Schwester beim frühen Besuch von Wagners...
