Furor und Strenge
Zur Zeit der ersten Aufführungen von Giuseppe Verdis «La forza del destino» in Petersburg (1862) und Mailand (1869, in umgearbeiteter Fassung) war das Orchestervorspiel die Schwelle zwischen der gesellschaftlichen Realität und dem ersten Sängerauftritt: Die wenig geachtete Instrumentalmusik diente der Beruhigung der erhitzten Körper und entfesselten Mundwerke; was der Komponist aus diesem akustischen Niemandsland machte, war seine Sache.
Mittlerweile hat man erkannt, dass es sich lohnt, zuzuhören, wenn Verdi in der großen nachkomponierten «Sinfonia» wesentliche Motive der Oper vorwegnimmt und ihnen ein unscheinbares Motiv aus dem 4. Akt als obsessiv kreisenden Schicksalsmotor unterlegt.
Regisseur David Pountney hat zugehört und überlegt, wie man der buntscheckigen Handlung nach dem blutigen Zeitroman des Duque de Rivas schon in der Ouvertüre ein paar rote Fäden mitgeben könnte. Pountneys Lösungen sind griffig, aber auch ein bisschen unterkomplex. Ein Todesengel im Barockkostüm tritt auf und stößt zum dreimaligen Orchesterschlag seinen Zeremonienstab eher zaghaft auf den Boden (die schlappe Geste wird auch beim wiederholten Mal nicht furchteinflößender). Den Rest besorgt ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Michael Struck-Schloen
Im alten Reclam-Heftchen mit dem Text der «Meistersinger», das im Besitz seiner Familie war, stand bei Evchens Worten im dritten Aufzug: «O Sachs! Mein Freund! Du teurer Mann!» eine handschriftliche Regieanweisung. Sein Vater hatte sie dort an den Rand gekritzelt – und sie galt als verbindlich für den kleinen Otto und seine Schwester beim frühen Besuch von Wagners...
Am Jakominiplatz nachts um halb eins. Die letzten Straßenbahnen und Busse schleichen über die eingelassenen Gleise, vor dem ehemaligen Dorotheum, das seit einigen Jahren ein angesagtes Boutique-Hotel beherbergt, warten Taxis auf Kunden, einzelne Passanten schlendern rauchend in Richtung Opernring. 200 Meter weiter, am Kaiser-Josef-Platz, blickt man in erleuchtete...
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab....
