Foto: Olaf Struck
Handarbeit
Über Geschmack lässt sich nicht streiten, über Liebe schon gar nicht. Glaukos ist auf der Kieler Opernbühne ein kahlköpfiger blue man, mit weißem Bart und gelber Flosse. Sein maritimes Ambiente ist unschwer zu erkennen. So einen «blauglänzenden» Meeresgott konnte nur die griechische Mythologie hervorbringen. In der tragédie lyrique von Jean-Marie Leclair ist er zu allem Überfluss mit einer Stimme ausstattet, die gleich zwei Frauen betört.
Eigentlich braucht hier niemand einen Amor, Skylla ist auch ohne Schützenhilfe längst zur Liebe bekehrt.
Aber da nun mal ein Prolog gefordert war, um en passant einem «roi puissant», in diesem Fall: Ludwig XV., die allfällige Ehre zu erweisen, haben sich Leclair und sein Librettist Monsieur d’Albaret 1746 ein Fest vor dem Venustempel der sizilianischen Stadt Amathous einfallen lassen. Lucinda Childs inszeniert es, raffiniert zwischen Abstraktion und Ballettbarock lavierend, als ein Vorspiel, das die folgende Geschichte bereits in Grundzügen skizziert: Die Propoetiden zweifeln die Gottheit der Venus an, sie muss deshalb selbst in Erscheinung treten und ihre Liebesmacht beweisen.
Für Konfliktpotenzial ist jedenfalls gesorgt, Stoff für eine ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hartmut Regitz
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