Zwei Gesichter

C. P. E. Bach: Johannes-Passion
Weimar | Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Johannes-Passion» von Carl Philipp Emanuel Bach – ein Druckfehler? Nein. Denn wie der Vater, so der Sohn. Dessen Passion geriet indes deutlich kleiner und kommt nicht nur aus eigener Herstellung: Sie ist auch Konglomerat von Werken unterschiedlicher Komponisten der Zeit. Von welchen genau, das ist, wenngleich der große JSB durchklingt, nicht aufgeklärt. Das Pasticcio war wohl dem enormen Pensum geschuldet, welches sein Schöpfer als Musikdirektor und Kantor am Johanneum in Hamburg abarbeiten musste. Lange wusste niemand von der Existenz der Partitur.

Bis Kirill Karabits, umsichtiger Dirigent des Abends und neuer GMD in Weimar, sie im Archiv des Berliner Singvereins wiederentdeckte.

Das gut einstündige Sakralwerk kam am letzten Maiwochenende erstmals auf die Bühne des Deutschen Nationaltheaters. Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für eine Passion, doch der Kirchentag war auf dem Wege, auch in Weimar, der Geburtsstadt Carl Philipp Emanuel Bachs. Ebenfalls ungewöhnlich: die Leidensgeschichte Jesu im Theater. Regisseur Philipp Harnoncourt hebt ihre Dramatik hervor, bringt sie direkt vor unsere Augen. Welches Potenzial in diesem Werk steckt, wurde erst während der knappen Probenphase klar; ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Nora Sophie Kienast

Weitere Beiträge
Kopftheater

Kitsch, lässt Pascal Mercier in «Nachtzug nach Lissabon» seinen Goldschmied der Worte, Amadeu Prado, formulieren, sei das tückischste aller Gefängnisse. Denn die Gitterstäbe seien mit dem Gold vereinfachter, unwirklicher Gefühle verkleidet, sodass man sie für Säulen eines Palasts halte. Unwirkliche, geborgte Gefühle sind auch das «Arbeitsmaterial» des...

Verdienstvolle Vermessung

Wenn sich zu Lebzeiten eines Komponisten Musikologen über sein Werk beugen und es bis auf die Quintolensechzehntel genau bis zur letzten Motivabspaltung analysieren, dann setzt das seine starke Präsenz im Musikbetrieb voraus. Die hat sich Aribert Reimann, jetzt 81 Jahre alt geworden, zuletzt mit seiner Oper «Medea» (2009) gesichert, einer der spannendsten...

Erlösung von Erlösern, bitte!

Jonathan Meese beim Schlussvorhang im Theater an der Wien: an Don Quichote und Räuber Hotzenplotz erinnernd, dem Publikum die Zunge herausstreckend und Löcher in die Luft boxend. Aber Achtung, fake news: Der da oben sein vermeintliches Unmeesen treibt, ist nicht der eigentliche JM (der soll einer der nettesten Menschen überhaupt sein), sondern die Kunstfigur, der...