Halbherzig
Dresden hat ein zweites Opernhaus. Genau genommen befindet sich der Stammsitz der Landesbühnen Sachsen zwar in Radebeul, einer selbständigen Kreisstadt westlich von Dresden, aber das ist nur ein Katzensprung. Dazu kommt, dass die Landesbühnen mit ihren Inszenierungen gern auf Reisen gehen – zum Beispiel in den Zwinger. Gegründet 1945, bieten sie Konzerte, Ballett, Sprech- und auch Musiktheater. Im Repertoire sind, wenn auch nicht ständig zu hören, «Freischütz», «Fidelio», «Land des Lächelns» oder «Don Pasquale».
Jetzt hat das Haus eine Rarität gehoben: «Faust» – nicht etwa von Gounod, sondern von Louis Spohr.
1816 hat Carl Maria von Weber das Werk erstmals in Prag dirigiert und ihm vermutlich auch Anregungen für seinen «Freischütz» entnommen. In der Entwicklung der romantischen Oper war Spohrs Stück tatsächlich ein wichtiger Schritt, allerdings hat es Schwächen, die klarmachen, warum sich dieser «Faust» nicht in den Spielplänen etablieren konnte. Nachdem die Ouvertüre die Emotionen in die Höhe gepeitscht hat, folgt etwa eine Chill-Out-Szene, die Fausts Überdruss an der Welt musikalisch ausdrücken soll, dramaturgisch aber höchst unglücklich zur Eröffnung des Stücks platziert ist. ...
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