«Es ist unser Land»
Herr Samoilov, wie geht es Ihnen?
Ich bin sehr, sehr traurig. Ich bin nervös, verzweifelt. Und manchmal alles zusammen. Was ich nicht spüre, ist Aggressivität oder Wut. Ich habe vor allem Angst um meine Familie, die in der Nähe von Odessa lebt, Angst um meine Freunde und Bekannten, Angst aber auch um Menschen, die ich nicht persönlich kenne, die aber diesem Krieg hilflos ausgesetzt sind. Denn auch wenn sie nichts sehnlicher wünschen, als ihr Land zu verlassen, geht das inzwischen nicht mehr.
Die großen Städte wie Kiew, Charkiw oder Odessa sind geschlossen, es gibt Sperrstunden. Nur Krankenwagen, Polizei und militärische Fahrzeuge dürfen fahren.
Gibt es eine Chance, Ihre Eltern noch rechtzeitig herauszuholen?
Ja. Ich hatte mit meinen Eltern schon am 24. Februar, bei Ausbruch des Kriegs, gesprochen und sie davon zu überzeugen versucht, von Odessa erst in Richtung West-Ukraine und dann über die Grenze nach Polen, Moldawien oder Rumänien zu gelangen. Zunächst wollten sie das Land nicht verlassen. Aber gerade heute haben sie sich umentschieden und sind auf dem Weg zur rumänischen Grenze. Das Problem ist nur: Nicht nur dort ist das Verkehrsaufkommen gewaltig. An der polnischen Grenze ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Interview, Seite 58
von Jürgen Otten
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