Grün ist die Hoffnung
Man hat ihn hierzulande fast ein bisschen vergessen, den freundlich schmunzelnden Herrn mit dem rundlichen Kahlkopf und dem kaukasischen Schnurrbart über dem Goldkettchen. Dabei war Gija Kantscheli (1935–2019) bis zu seinem Tod durchaus eine Berühmtheit: ein in den Westen versprengter Anti-Modernist, der – zusammen mit der jüngst verstorbenen Russin Sofia Gubaidulina, dem Esten Arvo Pärt oder dem Ukrainer Valentin Silvestrov – ein ganz anderes musikalisches Denken und Fühlen verkörperte als die europäische Post-Avantgarde.
Kantschelis Symphonien und Konzerte entfalten sich schleppend und in melancholisch brütender Tonalität, sind durchsetzt von schrillen Gesten des Protestes, die aber letztlich immer im Ton tiefer Trauer eingekapselt sind. 1991 floh der Komponist vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat Georgien nach Berlin und lebte später in Belgien; Exil und Entwurzelung wurden zum zentralen Grundgefühl der späten Werke. Und das Plattenlabel ECM verschaffte Kantschelis Musik der Stille, die nicht wenige Zeitgenossen in den überdrehten 1990er-Jahren als quasi-religiöse Offenbarung empfanden, eine breite Fan-Gemeinde.
Aber es gibt auch den «anderen» Kantscheli vor dem Zerfall der ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Michael Struck-Schloen
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