Großer Wurf
Alles, was Oper kann!», wählte Tobias Kratzer als Motto für seine erste Spielezeit an der Hamburgischen Staatsoper. Alles, was Barockoper kann: So wiederum könnte man David McVicars Inszenierung von Händels «Giulio Cesare in Egitto» überschreiben. 2005, also vor über 20 Jahren, hatte diese Produktion Premiere beim Glyndebourne Festival, Christoph Seuferle, dem Operndirektor der Deutschen Oper Berlin, gefiel die Inszenierung so gut, dass er sie an sein Haus holte.
Erstmals Barockoper also an der Bismarckstraße, wo man, was Alte Musik angeht, bislang Vorsicht hatte walten lassen: Wäre der riesige Saal mit seinen bald 2000 Plätzen nicht zu groß, zu wenig intim?
Wer wagt, kann gewinnen: Das Barockopern-Experiment der Deutschen Oper darf man als sehr gelungen bezeichnen, was zunächst mit David McVicar zu tun hat und der Selbstverständlichkeit, mit der er die riesige Bühne bespielt. Vieles hat hier Platz: Gestaffelte Kulissen und ein Bühnenprospekt, der die Weite des Himmels zeigt, zitieren die barocke Bühne. Soldaten des britischen Empires treten auf, Tropenhelme auf dem Kopf, auch mal einen Kescher in der Hand. Caesar in Ägypten, das ist hier ein Offizier an der Spitze seiner ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Clemens Haustein
JUBILARE
Marisa Galvany, die am 19. Juni 90 Jahre alt wird, kam 1936 in Paterson im US-Bundesstaat New Jersey als Tochter osteuropäischer Einwanderer zur Welt und debütierte 1968 an der Seattle Opera als Tosca. Auch ihr internationales Debüt gab sie in einer Titelrolle: als Aida 1972 am Palacio de Bellas Artes in Mexico City. Von 1972 bis 1983 war sie regelmäßig in...
Komponierende Herrscher wie beispielsweise der deutsche Kaiser Leopold I. oder der kriegs- wie kunstlustige Preußenkönig Friedrich II. waren partout keine Ausnahmen. Locker übertroffen aber werden beide Potentaten von Philippe d’Orléans (1674–1723), dem Neffen Ludwigs XIV., dessen Oper «Suite d’Armide ou Jérusalem délivree» das Centre de musique baroque de...
Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire...
