Großer Spaß
Diese grandiose Groteske, die György Ligeti nach der Vorlage des flämischen Dramatikers Michel de Ghelderode schuf, lässt offen, wer in diesem absurden Theater nun wirklich der personifizierte Tod des Werktitels ist.
Ein charismatischer Gaukler, der all den schrägen Gestalten des heruntergekommenen imaginativen Breughel-Lands einen höllischen Schrecken einjagen will und ihnen den Spiegel vorhält? Ein manipulativer Taschenspieler, der mit allzu menschlichen Ängsten spielt? Oder doch ein demagogischer Scharlatan, der dem dekadent verblödeten Volk sogar die Lüge vom nahenden Weltuntergang auftischen kann?
Martin G. Berger stellt uns den großen Makabren in seiner Schweriner Neuinszenierung als Avatar vor, der in staksigem Gang aus einem Videospiel heraus- und in die Opernhandlung eintritt. Möglich macht dies das spätpubertierend langhaarige Söhnchen von Domina Mescalina und ihrem spießigen Astronomengatten Astradamors. In seinem Kinderzimmer sehnt sich der Knabe angesichts einer hyperkomplex gewordenen Welt nach den einfachen Antworten seiner Comic-Heroen. So ein krasser Antiheld wie Nekrotzar müsste es jetzt richten. «Der Junge» als hier hinzuerfundene Figur von Ligetis ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Krause
Die Parolen eines sich weltgeistig-revolutionär gerierenden Polit-Messianismus haben ihre Strahlkraft schon lange verloren. So dicht liegt die Patina der aus katastrophischer Erfahrung erwachsenen Desillusionierung auf den einst mit großen Hoffnungen geladenen Losungen, dass ihre Wirksamkeit heute gegen null tendiert. Und so tief in die Schutthalden der Geschichte...
In der Causa Isolde herrscht im Grunde Einigkeit: Diese Rolle zu singen, ist unglaublich schwierig, psychisch wie stimmlich über alle Maßen anstrengend. Catherine Foster tritt in Füssen den Gegenbeweis an: Plötzlich wirkt all das Schwere so leicht, naturhaft, ursprünglich. Gebannt hängen wir an den Lippen ihrer irischen Königsbraut, erleben, wie sie sich aus ihrer...
Wajdi Mouawad zählt zu jenen überschätzten Regisseuren, die in Frankreich eine ansehnliche Karriere machen. Seit 2016 leitet der 52-jährige, libanesisch-kanadische Doppelbürger das Pariser Théâtre de la Colline, eines der sechs Nationaltheater im Lande, dem mit Alain Françon und Stéphane Braunschweig schon ganz andere Kaliber vorgestanden haben. Als Dramatiker...
