Große Träume vom kleinen Glück
Händel hat sie alle geliebt – die Eifersüchtigen und die Neidhammel, die Tyrannen und die Spieler, die Koketten und die Intriganten. Deswegen bekommt jede seiner Opernfiguren mindestens ein Arienjuwel von ihm geschenkt. In der Oper «Alcina» gibt es viele Juwelen, viele Figuren, und eine leidet herrlicher als die andere: die Zauberin und der von ihr manipulierte Liebhaber Ruggiero, Ruggieros verratene Braut Bradamante, Alcinas am Ende um jede Liebe betrogene Schwester Morgana sowie deren gehörnter Geliebter Oronte.
Man versteht alle und mag keinen, außer vielleicht Oberto, Alcinas Adoptivkind. Doch in Bonn bekommt auch die Fassade des unschuldigen Knaben – Sopranistin Nicole Wacker beweist, dass selbst diese Rolle großen Stimmen schmeichelt – feine Risse. Regisseur Jens-Daniel Herzog verzichtet auf den Zauber und lässt die Menschen sich selbst kompromittieren. Unter der präzisen, aber beschwingten Hand der Barockexpertin Dorothee Oberlinger erreicht das Beethoven-Orchester Bonn auch ohne historische Instrumente stilistische Höhen.
Der Abend steckt voller musikalischer Höhepunkte: die tänzerischen Vor- und Zwischenspiele, ein vitales Finale, solistische Preziosen (besonders in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Anna Chernomordik
Die Musikwelt ist ungerecht. Weil sie falsch urteilt. Oder Lücken schafft. Oder verdrängt. Oder alles zusammen. Im Fall des österreichisch-jüdischen Komponisten und Literaten Adalbert von Goldschmidt, der 1848 als jüngstes von sechs Bankiers-Kindern im Reichtum geboren wurde und 1906 in völliger Armut starb, liegt die Schuld jedoch in erster Linie beim...
Ein Gespenst geht um in deutschen Landen. Keine Angst, es ist nicht der Kapitalismus, der hat seine Maske längst abgestreift und herrscht unumschränkt. Nein, es ist ein anderes Ungeheuer, das vielen Kulturschaffenden die blanke Angst in die Mienen malt, es trägt den Namen Sanierung. Zahlreiche Opernhäuser müssen dringend ausgebessert, wenn nicht gar neu gebaut...
Nicht, dass es in den zwei Jahrzehnten zuvor schlecht gelaufen wäre, keineswegs. Immerhin wurde während der Intendanz von Eric Vigié der hochmoderne Anbau, mit dem die Opéra de Lausanne eine eigene Produktionsstätte erhielt, seiner Funktion übergeben. Doch mit der Ankunft von Claude Cortese, dem neuen Intendanten der Opéra de Lausanne, hat jetzt auch künstlerisch...
