Erlösung gibt's hier keine
Stimmlich haben sich hier zwei gefunden: Seunghee Kho als Violetta Valery und Sung Min Song als Alfredo Germont geben, obschon beide eigentlich keine idealen Vertreter des Bel Canto, musikalisch ein prächtiges Paar ab. Eine exzellente Abstimmung mit dem Orchester hilft ihnen überdies; die Interimsspielstätte «Oper am Luisenpark» verfügt über eine schöne Balance zwischen Graben und Bühne.
Die lyrische Lesart des Gespanns passt jedenfalls äußerst gut zu Verdis realistischer Sichtweise auf den Totentanz der vom «richtigen» Weg Abgekommenen und zur fatalen Mixtur aus Lebenslust und Zerfall.
Das herausstechende Merkmal der Violetta in Luise Kautz’ Inszenierung sind ihre roten Haare. Ein überreifes Vitalitätssignal im sterbenden Körper. Damit ist sie auch erwachsener als Alfredo, der mit der Farbe seines Jacketts in der einleitenden Festorgie ein grüner Junge ist. Vertrauen zu haben, das muss er erst noch lernen, doch als er es gelernt hat, ist es auch schon zu spät. So opfert sich Violetta am Ende für das von dessen Vater ihr abgepresste Familienglück auf dem Altar der Liebe. Aufgebahrt liegt die Lebedame nach einem letzten Aufbäumen auf den Altarstufen vor dem dreiflügeligen Schrein, ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Bernd Künzig
Wenn die Lichter im Saal erlöschen, löst sich aus dem Dunkel der Bühne eine Gruppe von sieben Menschen, die, mit Taschenlampen in den Händen, ins Theater eingedrungen ist, dort auf zerfledderte Noten, barocke Prospekte und alte Kostüme stößt und jetzt spielt, was ihr in die Hände fällt. Dieser improvisierende Beginn, bei dem sich Realität und Fiktion, Personen und...
Wie die meisten seiner italienischen Kollegen hat Johann Adolf Hasse nicht nur Opern, sondern auch geistliche Musik in beträcht -lichem Umfang komponiert. Fast ein halbes Jahrhundert lang stand der in Italien als «divino Sassone» verehrte Komponist in Verbindung mit dem Ospedale degli Incurabuli in Venedig, einem Waisenhaus für Mädchen und junge Frauen, die in...
Noch bevor ich eine Aufführung sehen konnte, sprachen mich Leute auf diesen «Don Pasquale» an. Eine junge Sopranistin aus der Akademie des Festivals habe alle anderen an die Wand gesungen, großartige Entdeckung! Die Regisseurin habe mit ihren Einfällen die Bühne überladen. Außerdem war der intrikate Einwand zu vernehmen, die von der anderen Seite der Alpen...
