Grauzone
Vor einem Jahr war es so weit: Im Osten Georgiens präsentierte sich ein neues Musikfestival, das Tsinandali Festival. Benannt ist es nach dem Schauplatz, einem historischen Anwesen, das im frühen 19. Jahrhundert dem georgischen Dichterfürsten (und General der russischen Armee) Alexander Tschawtschawadse als Wohnsitz diente und bis heute ein renommiertes Weingut beherbergt.
Ein luxuriöser Rahmen: Die ehemaligen Lagerräume der weitläufigen Anlage wurden zu einem spektakulären Hotel umgebaut, zudem ein Quartier für das Orchester der gerade erst ins Leben gerufenen Festivalakademie errichtet und das zu Sowjetzeiten als Museum genutzte Herrenhaus für 10,2 Millionen Euro renoviert. Außerdem stehen zwei funkelnagelneue Konzertsäle zur Verfügung, ein Auditorium mit 1200 Plätzen sowie ein mit Edelholz ausgekleideter Kammermusiksaal. Gleich in der ersten Saison boten die Veranstalter einen Reigen prominenter Gäste, u. a. András Schiff, Yuja Wang, Lisa Batiashvili, Fazil Say, Mischa Maisky, Renaud Capuçon – und Gianandrea Noseda, der sich als Musikdirektor des neu gegründeten Pan-Kaukasischen Jugendorchesters verpflichten ließ.
Auf den Weg brachten das Projekt Avi Shoshani, langjähriger ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von James Imam
Man muss nicht gleich die Labyrinthe der Hegel’schen Dialektik bemühen, um zu erfahren, dass Gegensätze, ja Widersprüche, sich keineswegs ausschließen. Zwei Beispiele: Der Pianist Friedrich Gulda, als Exponent eines «modernen», motorisch-energetischen Beethoven-Stils ebenso gefeiert wie als engagierter Jazzmusiker mit Misstrauen bedacht, nannte als Vorbilder...
Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte. In Aix...
Die Oper hat Felix Mendelssohn Bartholdy ein Leben lang beschäftigt. Schon als Kind entwarf er Szenen, die Fragment blieben, aber einen erstaunlich sicheren Umgang mit Stilspezifika des Musiktheaters zeigen. Der Plan einer Lorelei-Oper mit Emanuel Geibel war fortgeschritten und reichte bis in die letzte Lebensmonate. Das Ziel einer großen deutschen Oper hat...
