Grauzone
Vor einem Jahr war es so weit: Im Osten Georgiens präsentierte sich ein neues Musikfestival, das Tsinandali Festival. Benannt ist es nach dem Schauplatz, einem historischen Anwesen, das im frühen 19. Jahrhundert dem georgischen Dichterfürsten (und General der russischen Armee) Alexander Tschawtschawadse als Wohnsitz diente und bis heute ein renommiertes Weingut beherbergt.
Ein luxuriöser Rahmen: Die ehemaligen Lagerräume der weitläufigen Anlage wurden zu einem spektakulären Hotel umgebaut, zudem ein Quartier für das Orchester der gerade erst ins Leben gerufenen Festivalakademie errichtet und das zu Sowjetzeiten als Museum genutzte Herrenhaus für 10,2 Millionen Euro renoviert. Außerdem stehen zwei funkelnagelneue Konzertsäle zur Verfügung, ein Auditorium mit 1200 Plätzen sowie ein mit Edelholz ausgekleideter Kammermusiksaal. Gleich in der ersten Saison boten die Veranstalter einen Reigen prominenter Gäste, u. a. András Schiff, Yuja Wang, Lisa Batiashvili, Fazil Say, Mischa Maisky, Renaud Capuçon – und Gianandrea Noseda, der sich als Musikdirektor des neu gegründeten Pan-Kaukasischen Jugendorchesters verpflichten ließ.
Auf den Weg brachten das Projekt Avi Shoshani, langjähriger ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von James Imam
Eine Woche Vorlauf brauche er. Doch dann habe er «17 Varianten von zur Verfügung stehenden Produktionen». Sprach der Chef Anfang April, als das Gärtnerplatztheater noch im Zwangsschlaf darniederlag. Ganz so viel sind es nicht geworden, aber 70 Termine vor anfangs 50, dann 100, schließlich 200 Zuhörern, damit kann Josef E. Köpplinger sich und seinem Team auf die...
Es glich dem «Lied überm Staub danach», rief Ingeborg Bachmann, Österreichs Zauberin des lyrischen Wortes, einer zerbrochenen Liebe nach. Gemeint war das Schauspiel «Jedermann» ihres Landsmanns Hugo von Hofmannsthal, das, zuvor in Berlin von der Kritik verrissenen, am 22. August 1920 über den Salzburger Domplatz schallte. Ein schlichtes Gastspiel aus der Hauptstadt...
Eckhard Henscheid ätzt in «Dummdeutsch», die andauernde Verwendung der Vokabel irgendwie sei «irgendwie eine spezifische geistige Schrumpfleistung der Post-No-Future-Generation». In diesen unseren Krisenzeiten scheint sie indes allgegenwärtig. Und wenn ein prominenter Theaterleiter äußert, man müsse irgendwie über die nächsten Monate und vielleicht Jahre kommen,...
