Graue Mäuse gibt es ja schon genug

Die Sopranistin Simone Kermes über die Gesangsausbildung in der DDR, riskante Konzert­auftritte, den Opernalltag und die Gefahr, als «schwierig» abgestempelt zu werden

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Die Nachrichten auf einem amerikanischen Internet-Musikforum überschlagen sich: Eine mittelschwere Sensation muss sich ereignet haben. Eine deutsche Sängerin war in der Carnegie Hall mit Andrea Marcons Vivaldi-Projekt «An­dromeda liberata» zu Gast – und sie hat reihenweise Opernfans den Kopf verdreht. Mit dem Namen konnten die meisten zuvor nichts anfangen: Simone wer? Egal: Sogleich folgte die Einladung für ein Solokonzert im kommenden Feb­ruar.

Die gleiche Reaktion ein paar Tausend Kilometer östlich: Ihre ­erste Donna Anna in Moskau wird ein Ausnahmeerfolg – und prompt folgt eine Einladung für zwei Opernkonzerte als einzige Solistin – eine seltene Ehre.
Hierzulande ist Simone Kermes na­türlich längst keine Unbekannte mehr. Schon zwei Schubladen hat die Presse für sie gefunden: «Primadonna der Alten Musik» ist die erfreuliche erste, «sopranistisches Pulverfass» die möglicherweise doppeldeutige zweite. Unter den jüngeren deutschen Sängerinnen ist wohl keine in den vergangenen Jahren so umfangreich auf CD verewigt wie sie: Viele Händel-Gesamtaufnahmen, dazu reihen­weise Konzert – jede Menge Kermes in den Plattenläden. «O ja, schrecklich!», meint die Sängerin dazu, und das ist kein ...

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Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Porträt, Seite 32
von Claus Ambrosius

Vergriffen
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