Wagner: Lohengrin

Leipzig

Opernwelt - Logo

Hätte man uns doch in Kindertagen für die Zinnsoldaten-Sammlung einen so elegant geschwungenen Boden aus hellen Dielen gebaut, wie ihn Hartmut Schörghofer dem Regisseur Steffen Pion­tek für seine «Lohengrin»-Inszenierung fugenlos verlegen ließ! Dann wären damals unsere liebevoll bunt bemalten Figuren so dekorativ zur Geltung gekommen wie jetzt der Männerchor der Leipziger Oper.

Wahlweise als stolze Wikinger im Bärenfell mit langer Mähne oder schmucke Spielzeugkrieger mit grünem Plastikschild gekleidet, durften die Mannen die erste Viertelstunde lang auch stimmlich eine geballte Ladung Testos­teron in den Zuschauerraum schießen.
Die Damen waren dagegen aus dem Mittelalter in die Neuzeit ge­beamt. Wo sonst hätten sie das elegant schimmernde Grau ihrer Roben für den ersten Akt käuflich erwerben können oder das für jede Figur kleidsame halbdurchsichtige weiße Regen-Cape über dem Spitzhut des Burgfräuleins für den zweiten? Vielleicht in einer ostasiatischen Metropole, deren diffus im Wasser gespiegelte abendliche Kulisse hier die altmodischen Wandelprospekte mit Uferlandschaften davor und danach ersetzte?
Immerhin spielten sich im zweiten Akt die spannendsten Szenen des Abends ab: vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Kurz Berichtet, Seite 51
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lasst euch nicht verführen

Andreas Homokis Komische Oper Berlin gibt sich konsequent realistisch: Eugen Onegin als Jungschnösel der Generation Golf, Mozarts Serail als Metropolen-Bordell, Mahagonny als Ballermann-Disco, Sarastros Feuer-/Wasserprobe als Jungle Camp... In seinen Grundsätzen, reale Menschen und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen, beruft sich das seit drei Jahren neu...

Pountney trägt Prada

Emmanuel Chabrier (1841-1894) ist dem Musikfreund durch die mitreißende Orchestervignette «España» und die leidlich lustige «Tristan»-Quadrille geläufig. Seine drei Jahre vor Offenbachs Tod in dessen Bouffes Pari­siens uraufgeführte Opéra-bouffe «L’Étoile» (Der Stern) blieb ewiger Geheimtipp: weit über Offenbach gestellt von Debussy, 1941 ausgegraben von Desormière...

Wettstreit bis zum Ende

In seiner fünfunddreißigsten Auflage enthielt der Bundeswettbewerb Gesang Berlin eine nicht unwesentliche Neuerung. Nach bundesweiten Vorausscheidungen und dem Hauptwettbewerb in Berlin wurden die Preisträger erst im Finalkonzert in der Komischen Oper ausgelobt, das von dem ehemaligen Wagner-­Tenor Siegfried Jerusalem moderiert wurde. Für das Publikum des Konzerts...