Grandioses Hörtheater
Es war eine nette Bekanntschaft, die der weise alte Schauspieler und der junge Pianist gemacht hatten. Unbedingt wollten sie in Kontakt bleiben und sogar gemeinsame Projekte realisieren, was allerdings nicht einfach war, denn der berühmte Schauspieler war für einige Filme engagiert. Doch er, der Pianist, möge ihn oft per Mail erinnern. Und so schlug der 35-jährige Kirill Gerstein dem großen Bruno Ganz immer wieder «Enoch Arden» vor, das sagenumwobene Melodram von Richard Strauss auf die Ballade von Alfred Lord Tennyson (1809–1892).
Bis eines Tages Antwort von Ganz’ Ehefrau, der bedeutenden Theaterfotografin Ruth Walz, eintraf: «Bruno hat das Gedicht gelesen und mag es. Sehr. Wann können die Proben beginnen?»
«Enoch Arden» zieht einen diffusen Schatten durch die Musikgeschichte. Es ist ein Werk, das nur wenige lieben, obwohl es seltsame Faszination ausübt. Strauss hatte es 1897 komponiert, im Alter von 32 Jahren. Es beschreibt die Lebensgeschichte der drei Kinder Enoch, Philipp und Annie, die in die Ehe von Enoch und Annie mündet; Philipp geht leer aus. Als Enochs Familie zu darben beginnt, will er auf hoher See Geld verdienen, doch ein Schiffbruch zwingt ihn für Jahre auf eine ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 33
von Wolfram Goertz
Was wir uns sparen können: die immer schon merkwürdige Diskussion, ob die Theater leer bleiben, wenn, was auf den Bühnen geschieht, im Netz zu sehen ist. «Video Killed the Radio Star» – das war schon 1979 falsch, als The Buggles damit ihr One-Hit-Wonder hatten. Nicht dass es in der Mediengeschichte keine Untergänge gäbe, doch die Sorge, dass die Orte verwaisen...
Jubilare
John Treleaven absolvierte sein Gesangsstudium in London und Neapel. Anschließend trat der aus Cornwall stammende Tenor überwiegend in seiner britischen Heimat auf, etwa am Royal Opera House Covent Garden, wo er 1979 debütierte, an der Welsh National Opera, der Scottish National Opera und der English National Opera. Beim Edinburgh Festival war er als...
61. Jahrgang, Nr 6
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