Apropos... Musik und Medizin

Am Essener Aalto-Musiktheater stand er in Dietrich Hilsdorfs Inszenierung von Alessandro Scarlattis «Cain»-Oratorium auf der Bühne. Als Abel, in einer Sopran-Partie. Doch Philipp Mathmann ist nicht nur Sänger mit einer außergewöhnlich hohen Stimme, er hat auch Medizin studiert und als Facharzt für Phoniatrie an der Berliner Charité gearbeitet. Zudem engagiert er sich in einem deutsch-englischen Forschungsprojekt, das um Musiker- und Stimmgesundheit kreist.

Opernwelt - Logo

Herr Mathmann, Sänger – das ist eigentlich Ihr zweiter Beruf. Wann kündigte sich die musikalische Begabung an?
Zuerst war Musik! Das Singen kam sogar vor dem Sprechen. Meine Mutter erzählt, dass ich schon Melodien sang, bevor ich die ersten Worte sagen konnte. Mit drei Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Aber nach der Schule hatte die Medizin Priorität.

Wie haben Sie Ihre hohe Stimme entdeckt?
Zufällig! Ich habe erst in Bariton-Lage gesungen.

Nicht klassisches Repertoire, sondern Popsongs von Elton John und Lionel Ritchie, zu denen ich mich am Klavier selbst begleitete. Meine Schwester hatte bei der gleichen Lehrerin Gesangsunterricht. Sie ist Mezzosopranistin und hatte oft Probleme mit den hohen Tönen. Das konnte ich nie verstehen, weil die mir ganz leicht fielen. So habe ich ihr die hohen Töne immer vorgesungen. Die Königin der Nacht war für mich früher kein Problem.

Trotzdem hatte die Medizin Priorität?
Ja, aber eine bestimmte Richtung. Ich habe mich schnell auf den Bereich Hals-Nasen-Ohren konzentriert und da wiederum auf das Fachgebiet Stimme. Ich dachte, mit einer solchen Spezialisierung könne ich auch besser rechtfertigen, weiterhin aktiv Musik zu machen.

Das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Bühnendämmerung

Die Katastrophe war absehbar. Ignoranz, Inkompetenz, eklatante Versäumnisse, Chaos charakterisieren das Krisenmanagement der amerikanischen Regierung, seit die ersten SARS-CoV-2-Infektionen bekannt wurden. Und Präsident Donald Trump scheint sich nach wie vor mehr um seine Wiederwahl im Herbst als um die Eindämmung einer Pandemie zu sorgen, die zwischen Washington...

Interpretieren heißt übersetzen

Schier endlos ist über die Oper nachgedacht worden, über jenes «unmögliche Kunstwerk», von dem vor mehr als einem Jahrhundert Oscar Bie, der originelle Musikschriftsteller und -kritiker, gesprochen hat, in seinem schlicht mit «Die Oper» betitelten Buch von 1913. Es scheint so, als ob man mit der Arbeit an der Oper und der Reflexion über ihr Wesen und ihre...

Editorial Juni 2020

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. So lässt sich das Wechselbad der Gefühle zusammenfassen, dem ausgeliefert war, wer unlängst das traditionelle Europakonzert der Berliner Philharmoniker verfolgte. Seit drei Jahrzehnten feiert das 1882 gegründete Orchester am 1. Mai mit diesem Konzert Geburtstag – und die Vision eines föderalen Kontinents, der das Gemeinsame...