Grandios
Irgendwann wird man zurückblicken auf diese pandemische Zeit und sich fragen, ob man ihr nicht vielleicht doch irgendetwas Positives abgewinnen könnte. Strukturell sicher nicht, dazu machte die Politik den Künsten gar zu deutlich, für wie verzichtbar sie sie hält. Aber es gibt Einzelerscheinungen, die, aus der Not geboren, ganz wunderbar wurden. Gerade in der Schweiz, wo es die Künste ja ohnehin besser hatten als in Deutschland.
Eines dieser herrlichen Erlebnisse ist Leoš Janáčeks «Jenůfa» am Konzert Theater Bern, das von der kommenden Saison an seinen hochproblematischen Namen los ist und einfach «Bühnen Bern» heißen wird.
Das Grandiose ist hier die musikalische Form. Auf Basis der schroffen, von späteren romantisierenden Bearbeitungen noch verschonten Brünner Fassung erstellte der musikalische Leiter Matthew Toogood eine radikal solistische Partitur, notwendig, weil die volle Orchesterbesetzung unter Abstandsregeln nie in den Graben passte. Nun ist also wirklich jedes Instrument nur ein Mal besetzt, die erste Geige gibt es doppelt. Das führt natürlich zu einer so noch nie gehörten Transparenz, was annähernd eine Binsenwahrheit wäre, behielte Janáčeks Musik dabei nicht ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Egbert Tholl
Man ist es zwar langsam leid, immer wieder die Pandemie bemühen zu müssen. Doch mit den viralen Verwerfungen wird sich der Kulturbetrieb wohl noch lange herumschlagen müssen. Was zunehmend schmerzlich erfahrbar wird, ist allenthalben spürbare Diskontinuität. Ehe sich im November 2020 die Vorhänge auf unbestimmte Zeit schlossen, waren in Österreich die ersten...
Krähe, wunderliches Tier. Hockt da dürrbeinig auf der Stuhllehne, neigt, wie von Geisterhand berührt, von Zeit zu Zeit den Kopf, lauscht dann erneut dem leisen Gesang der dem Wahn Verfallenen, die im wallend weißen Nachthemd vor ihr sitzt und manisch die Hände aneinanderreibt, so als könne sie damit jene schwere Schuld tilgen, die sie auf sich geladen hat. Schon in...
Seit seinem Operndebüt mit Mozarts «Titus» 1994 an der Staatsoper Stuttgart gehört Jossi Wieler zu den profiliertesten Regisseuren des Musiktheaters. Der gebürtige Schweizer ist in vieler Hinsicht ein Solitär. Wie die meisten Kollegen seiner Generation hat auch er im Schauspiel begonnen, das Worttheater mit den ungleich schwierigeren Anforderungen aber niemals...
