Gottverlassen
Siegfried, Brünnhilde,Wotan: verbrannt. Hagen ersäuft, Gunther erschlagen. Die Bühne dreht um 180 Grad, zeigt die nackte Rückwand der Kulisse. Mit apathischem Blick geht das Volk aufs Publikum zu. Götter, Helden, Bösewichte: alle tot. Und jetzt weiß keiner, wie es weitergeht. «Nur die Götter geh’n zugrunde, wenn wir endlich gottlos sind», sang einst Konstantin Wecker. Hansgünther Heyme ist anderer Meinung. Mit der Götterdämmerung, dem letzten Teil des Nibelungen-Rings in Halle und Ludwigshafen, geht in seiner finalen Vision womöglich auch die Zivilisation zu Ende.
Im Sinne seines Lehrers Erwin Piscator macht der 77-Jährige episches Theater, erzählt eine Geschichte. Klare Strukturen, wenig Verrätselung, eine sorgfältig gearbeitete Personenführung. Alles in allem ein Ring für Einsteiger – sinnig für eine Koproduktion zweier kleinerer Häuser ohne großes Wagner-Publikum.
Nicht alle Szenen gelingen, vieles wiederholt sich. Das Spiel mit den Schleiern etwa, die von der Decke hängen, oder das Zupfen an den überlebensgroßen Porträts der Götter. Bewegungstechnisch unbeholfen wirkt der Chor, die Herren in grellbunten Mao-Anzügen, die Damen im strengen BDM-Look. Willige Erfüllungsgehilfen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Dieter Lintz
«Ganzkörperpoeten» nennen sich die Akteure der Berliner Tanz-Performance-Musik-Theater-Truppe Nico and the Navigators. Seit 1998 verfolgen Regisseurin Nicola Hümpel, Bühnenbildner Oliver Proske und das in wechselnder Besetzung auftretende Ensemble die Mission, Figuren und Themen der Hochkultur aufs Menschlich-Allzumenschliche herunterzubrechen. Händel und Rossini...
So viel Salzburg war noch nie. 220 Aufführungen sollen während der Sommerfestspiele 2013 stattfinden, an 45 Tagen. Alexander Pereira hat für seine zweite Saison die Sponsorengelder von 8,5 auf 13,5 Millionen Euro erhöhen können. Das ist genau so viel Geld, wie die öffentliche Hand für Österreichs Vorzeigefestival bereithält. Auch diese Konstellation ist neu.
Ende...
Verärgert klang es, wütend. Buh! Und es waren keineswegs nur ein paar versprengte Berufsprotestierer, die gegen die zweite Musiktheaterpremiere unter dem neuen Zürcher Opernintendanten Andreas Homoki aufmuckten. Ihre Wut war sehr vernehmlich. Es war freilich auch etwas für sie Neues zu sehen und zu hören gewesen, etwas Seltsames, Irritierendes – etwas, das in den...
