Ein Hauch von Verlust
Verärgert klang es, wütend. Buh! Und es waren keineswegs nur ein paar versprengte Berufsprotestierer, die gegen die zweite Musiktheaterpremiere unter dem neuen Zürcher Opernintendanten Andreas Homoki aufmuckten. Ihre Wut war sehr vernehmlich. Es war freilich auch etwas für sie Neues zu sehen und zu hören gewesen, etwas Seltsames, Irritierendes – etwas, das in den 21 Pereira-Jahren nicht im Angebot war: ein Stück, das es gar nicht gibt – und gewissermaßen das erste Wagnis der neuen Ära.
Der Urheber heißt Christoph Marthaler, und vielleicht stellte die harsche Reaktion ja auch einen Nachklapp auf dessen Zürcher Schauspielintendanz zwischen 2000 und 2004 dar, von der die eine Partei sagt, sie habe das Haus vorangebracht, und die andere, sie habe es an die Wand gefahren.
Dem Kenner ist es nicht neu: Es gibt Oper, Operette, es gibt Schauspiel, Ballett und Tanztheater. Und es gibt eine ganz besondere Spezies: den Marthaler-Abend, und das können auch Opern sein, die nie geschrieben wurden. Wie diese jetzt: Sale – also: Schluss- oder Räumungsverkauf, Motto «Alles muss raus». Eigentlich hatte der Intendant sich eine richtige Händel-Oper von Marthaler gewünscht. Der hat's indes mit den ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Heinz W. Koch
Wenn der Vater mit dem Sohne, hieß ein tränenseliger Spielfilm aus dem Jahr 1955 mit Heinz Rühmann und Oliver Grimm. An einen Streifen mag man auch bei der Konstellation Mutter und Sohn denken, die Renate und Daniel Behles Recital Generation bietet – nämlich einen Moment lang an Loriots ersten Spielfilm Ödipussi. Doch verscheucht man diese Gedanken sofort, da die...
Zur bürgerlichen Kunst der Oper besaß Hanns Eisler, der «Komponist, Weltbürger, Revolutionär», wie ihn Friederike Wißmann im Untertitel ihrer Biografie nennt, ein kritisches Verhältnis: Der hochbegabte Schönberg-Schüler konnte Pathos und demonstrative Erhabenheit nicht ausstehen. Mit Ausnahme der (gescheiterten) Oper Johann Faustus spielte das Musiktheater bei ihm...
Wäre nicht die Sprache, der Leos Janácek so sorgfältig den Tonfall nachkomponiert hat, könnte sich ein österreichischer Musikliebhaber in der zweitgrößten Stadt Tschechiens wie zu Hause fühlen: mit der Janácek-Oper (1965) und dem historisierenden Mahén Divadlo, 1882 als Deutsches Theater vom epidemischen Büro Helmer & Fellner entworfen.
«Genius Loci», mäßig...
