Ein Hauch von Verlust

Händel im Konsumtempel: Christoph Marthaler und Anna Viebrock zeigen in Zürich eine Oper, die es gar nicht gibt

Opernwelt - Logo

Verärgert klang es, wütend. Buh! Und es waren keineswegs nur ein paar versprengte Berufsprotestierer, die gegen die zweite Musiktheaterpremiere unter dem neuen Zürcher Opernintendanten ­Andreas Homoki aufmuckten. Ihre Wut war sehr vernehmlich. Es war freilich auch etwas für sie Neues zu sehen und zu hören gewesen, etwas Seltsames, Irritierendes – etwas, das in den 21 Pereira-Jahren nicht  im Angebot war: ein Stück, das es gar nicht gibt – und gewissermaßen das erste Wagnis der neuen Ära.

Der Urheber heißt Christoph Marthaler, und vielleicht stellte die harsche Reaktion ja auch einen Nachklapp auf dessen Zürcher Schauspielintendanz zwischen 2000 und 2004 dar, von der die eine Partei sagt, sie habe das Haus ­vorangebracht, und die andere, sie habe es an die Wand gefahren.

Dem Kenner ist es nicht neu: Es gibt Oper, Operette, es gibt Schauspiel, Ballett und Tanztheater. Und es gibt eine ganz besondere Spezies: den Marthaler-Abend, und das können auch Opern sein, die nie geschrieben wurden. Wie diese jetzt: Sale – also: Schluss- oder Räumungsverkauf, Motto «Alles muss raus». Eigentlich hatte der Intendant sich eine richtige Händel-Oper von Marthaler gewünscht. Der hat's indes mit den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Weg damit

Erst spät wurden manche wach. Da war doch noch was: genau, ein stählernes, eckiges, auskragendes Ding, wie vom Himmel auf dem Marstallplatz hinter dem Münchner Nationaltheater gefallen. Ein Architektur gewordener Dr­a­maturgendunst, entworfen vom Wiener Büro Coop Himmelb(l)au. Widerborstig und widerspenstig, so sieht sich die Bayerische Staatsoper gern. Doch der...

Ihre Familie

Claude Viviers Musik ist vertraut und fremd, beruhigend und verstörend. In seiner 1978/79 komponierten, etwa 70-minütigen Oper Kopernikus treffen schwebende, tonale Klangflächen auf glissandierende Solostimmen, kantable Phrasen auf kindliches Gebrabbel, impulsive Attacken auf meditative Nachklänge. Viviers musikalische Erfahrungen auf einer langen Ostasienreise...

Warme Farben, klare Kontraste

Weil er im März des Jahres 1881 starb, hat Modest Mussorgsky die Gelegenheit knapp verpasst, Augen- und Ohrenzeuge des umfassend überarbeiteten Simon Boccanegra zu werden, mit dem Verdi im selben Jahr an der Mailänder Scala Triumphe feierte. Bedenkt man den Einfluss, den schon La forza del destino auf russische Komponisten ausgeübt hatte, so ist es reizvoll,...