Gott, welch Dunkel hier!
Für Catherine Clément war die Sache eindeutig. «Besiegt, verraten und verkauft» untertitelte die französische Feministin und Philosophin ihr Buch über «Die Frau in der Oper» aus dem Jahr 1992. Und lag damit grosso modo absolut richtig. Wohin das Auge schaut, das Ohr hört, der Geist sich wendet – in den meisten Fällen betraten Frauen seit Erfindung dieser Gattung die Bühne als Opfer, um sie als solche auch wieder zu verlassen, nicht selten in Leinentücher gehüllt, mit Lilien bekränzt.
Und selbst wenn sie zu Täterinnen sich verwandelten, geschah dies in der Regel eher aus der Not der Verzweiflung heraus denn aus Machtansprüchen, siehe Katerina in Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk«, um nur ein besonders prominentes Beispiel anzuführen. Freie Frauen? Gab und gibt es eher selten.
Insofern passte der nämliche Titel des Festivals an der Opéra National de Lyon, das in diesem Jahr natürlich nicht live stattfinden konnte, mit Vorträgen, Panels und verschiedenen anderen digitalen Formaten aber zumindest den Versuch unternahm, den gesellschaftlichen Diskurs über die nach wie vor anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu befruchten. Schade nur für all diejenigen, die ihr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Jürgen Otten
Ein bisschen duftete es nach Frühlingsanfang. Gleich mehrere Moskauer Opernhäuser präsentierten nach dem Ende des Lockdowns neue Inszenierungen. Drei der fünf großen, aufgrund geltender Hygieneregeln zur Hälfte gefüllten Musentempel griffen dabei auf bewährte Klassiker zurück. Den wohl größten Einschnitt markierte die Premiere in der Neuen Oper: Sechs Jahre lang...
Es war ein Freitag. Was sonst. Freitag, der 13. Das konnte kein gutes Zeichen sein. War es auch nicht. Am Freitag, dem 13. März 2020, blieben die Uhren stehen, eine neue Zeitrechnung begann. An diesem Tag hob sich in der Oper Dortmund der Vorhang zur Premiere von Daniel-François-Esprit Aubers «La muette de Portici». Doch im Saal herrschte weithin sichtbare Leere....
Kleiner Mann, ganz groß. Und was für eine staunenswerte, nein: was für eine unglaubliche Karriere! Dank der mildtätigen Zauberkräfte der Fee Rosabelverde ist aus dem ehemaligen Wechselbalg, den vor Jahren ein Bauernweib zur Schande des ganzen Dorfes gebar, beinahe über Nacht eine ruhmreiche Gestalt geworden, dem, obwohl seine Kleinwüchsigkeit dies eigentlich kaum...
