Zwischen den Welten
Kleiner Mann, ganz groß. Und was für eine staunenswerte, nein: was für eine unglaubliche Karriere! Dank der mildtätigen Zauberkräfte der Fee Rosabelverde ist aus dem ehemaligen Wechselbalg, den vor Jahren ein Bauernweib zur Schande des ganzen Dorfes gebar, beinahe über Nacht eine ruhmreiche Gestalt geworden, dem, obwohl seine Kleinwüchsigkeit dies eigentlich kaum gestattete, zahllose Menschen zu Füßen liegen und den eine Aura der Überwältigung umgibt, die sich im Grunde niemand erklären kann.
Klein Zaches, genannt Zinnober, ist gerade dabei, nicht nur das Herz der schönen Cunégonde, sondern gleich die ganze Welt auf immer zu erobern, da ereilt den knorpligen Däumling, spät genug, der sanfte Schlag der Gerechtigkeit – Schlafes Bruder, der Tod. Kleiner Mann, ganz hin.
Und auch wiederum nicht. Zwei Mal begegnet uns die Märchenfigur des Klein Zaches, genannt Zinnober, wie sie E. T. A. Hoffmann als tragischen Titelhelden für eines seiner «Nachtstücke» ersann, auf der Opernbühne. Und in beiden Fällen bittet sie der Komponist Jacques Offenbach ins Rampenlicht. Zunächst in jenem berühmten a-Moll-Chanson des schwärmerischen Dichters Hoffmann aus seinem opus ultimum et summum «Les Contes ...
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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Auf unnachahmlich elegante Weise fasste der Münchner Kritiker Karl Schumann nach einem Liederabend von Peter Schreier einmal zusammen, was dem Dresdner Tenor durch die zeitungspapierene Blume gesagt wurde: «Dass seinen wohlgesetzten Tönen ein Schuss Sinnlichkeit fehle; dass er zumal den Damen, die ja bekanntlich nicht nur mit den Ohren hören, zu wenig biete; dass...
«Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten.» So heißt es in Rilkes «Herbstgedicht». Der Mann, der sich auf dem Cover des Albums «The Path of Life» an einem überlebensgroßen, hinabfallenden Blatte festhält, als sei’s ein Fallschirm beim Sprung aus solchen Himmeln, ist der marokkanische Fotokünstler Achraf Baznani, der mit...
Angefangen hat es mit einem Schauspieler und mit «Blaubart». Nein, nicht dem berühmten von Bartók, sondern dem zu Unrecht vernachlässigten aus Offenbachs Feder. Michael Quast hatte ihn für sich selbst und einen Pianisten bearbeitet, und er beeindruckte damit nicht nur Publikum und Presse, sondern auch die Frau, «die alles kann, außer langweilen» – so die...
