Gott ist tot

Verdi: Macbeth an der Oper Graz

Opernwelt - Logo

Angels and ministers of grace defend us»: Das ist zwar nicht aus «Macbeth», sondern aus «Hamlet», aber doch eines jener Shakespeare-Zitate, mit denen das englischsprachige Theatervolk den Fluch des unaussprechlichen «Scottish Play» zu neutralisieren trachtet. Es ist natürlich reiner Zufall, dass dem Grazer Macbeth Mikołaj Zalasiński bei der Premiere von Beginn an die Stimme versagte und er nur mit Mühe bis zur Pause kam.

Und ebenso, dass in Kateryna Sokolovas Inszenierung ihrem Macbeth eine genau solche Vertreterin aus der Kategorie «Engel und Boten Gottes» (wie es Schlegel übersetzte) zur Seite steht – oder besser: von ihm missachtet und malträtiert wird. Die Hexen sind hier die dunklen Facetten von Macbeths Persönlichkeit, multipliziert wie in einem Spiegelkabinett. Seinen Schwächen zum Trotz ist er nämlich selbst die treibende Kraft des Bösen, er geht über Leichen. Bis auf eine Ausnahme: dem «Verro», jenen Eber, den die Hexen anfangs geschlachtet haben wollen. In der zierlichen Gestalt Lara Hidens und mit goldumrandeter Herzwunde repräsentiert diese stumme Figur das ständig an den Rand gedrängte, bedrohte Gute in Macbeths Seele. Das wirkt auf die Dauer jedoch aufgesetzt – vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Walter Weidringer

Weitere Beiträge
Personalien, Meldungen 1/24

JUBILARE

Elena Moșuc, im rumänischen Iași geboren, studierte in ihrer Heimatstadt an der Hochschule für Kunst und Gesang sowie am Konservatorium «George Enescu» und debütierte bereits während dieser Zeit als Königin der Nacht in Mozarts «Zauberflöte» am dortigen Opernhaus. Ferner sang sie an gleicher Stelle die Titelpartie in Donizettis «Lucia di Lammermoor» (Moșuc...

Leere Blätter

Jules Massenet hat den Abschluss seiner Opéra lyrique «Werther» genau notiert: «Samstag, 2. Juli 1887, 11.15 Uhr». Ob er ahnte, dass sein Werk tatsächlich ein Wurf war? Wie Puccinis «La Bohème» ist es ohne Fehl und Tadel, kein Takt zu viel, Libretto und Musik genau verzahnt – und doch im deutschsprachigen Raum nicht von gleicher Popularität; bis in die 1970er-Jahre...

Reiche neue Welt

Als Karlheinz Stockhausens «Sonntag aus Licht» 2011, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, in Köln uraufgeführt wurde, kamen größere Teile des Publikums in weißer oder goldener Kleidung. Warum? Weil es die Farben dieses Wochentags sind. Und weil es in Deutschland durchaus eine Stockhausen-Gemeinde gibt, die ihren «Meister» nicht nur aus musikalischen Gründen...