Ausflüge in eine andere Welt
Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der Oper denke ich aus dem Inhaltlichen, daraus ergibt sich dann die jeweilige Ästhetik. Und die entsteht bei mir ganz stark in der Zusammenarbeit mit meinem bewährten Team.
Ob diese Ästhetik essenzielle Zeichen enthält, vermag ich nicht zu sagen, das müssen andere beurteilen.
Der Begriff «essenziell» ist ja vor allem als Kompliment zu verstehen, und Zeichen werden, im Schauspiel wie in der Oper, dazu benutzt, um einen Vorgang anzutreiben, um diesem Vorgang eine Bedeutung zu geben, ihn plausibel zu machen ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Interview, Seite 48
von Jürgen Otten
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Der Anfang ist magisch. Als Bild, als Klangereignis. Im leicht erhöhten Graben erklingt das A-Dur-Vorspiel als genau das, was sein Schöpfer in ihm sah, als «symphonisches Gedicht» in himmels -ätherischem Blau (so man, wie Richard Wagner, zumindest im Fall von «Lohengrin» ein Anhänger der Synästhesie ist), und auf der riesigen Lamellenwand, die sich über die gesamte...
Sie waren sieben. Nein: acht. Einer überlebte. Der Vater. Alle anderen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Mehr als zwei Jahre lang hatten sie im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263 in einem Versteck gehaust, eingesperrt zwischen Hoffen und Bangen, unter Umständen, die man mit dem Wort komfortabel wohl kaum beschreiben mag, aufeinander...
