Gondole und Vaporetti
Gurgelndes Wasser, Glockentöne, knarrende Planken, dieselnde Vaporetti, die Alltagspolyphonie einer Osteria, der schwimmende Sound eines Fischmarkts – sie gehören zum akustischen Weichbild Venedigs wie die Musik, die hier seit Jahrhunderten den Lebensrhythmus mitbestimmt.
Andrea und Giovanni Gabrieli, Claudio Monteverdi oder Antonio Vivaldi, selbst ein marxistischer Klangvisionär wie Luigi Nono sind undenkbar ohne die unverwechselbaren Schallsphären der Serenissima – man denke nur an die dreischiffige, aus den Querhäusern und fünf Kuppeln reflektierte Resonanz des Markusdoms, das Echo der Plätze und Kantinen, das gedämpfte Wogen der Kanäle.
Doch meist bleibt die Stadt ausgeblendet, auf den Glanz ihres Namens reduziert, wenn ihr singend, spielend gehuldigt wird. An Venedig-Alben dieser Art herrscht kein Mangel. Das jüngste Produkt: eine unter dem parfümierten Titel «Venice’s Fragrance» kompilierte Sammlung mandolinenbegleiteter Concerti und Arien (Lotti, Conti, Vivaldi, Galuppi, Traetta u. a.) aus dem Hause Sony/dhm, mit Nuria Rial und dem Ensemble Artemandoline. Es war wohl der Münchner Label-Gründer Stefan Winter (Winter & Winter), der als Erster den Klangraum des mythischen ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Albrecht Thiemann
Als am 1. Mai Premiere auf YouTube war, schrieben wir in unseren Corona-Zeiten den «Tag 47». Was man damals noch nicht wissen konnte: Es war ungefähr die Mitte der virusbedingten Isolationsphase. Mittlerweile nimmt das Leben wieder ein wenig Fahrt auf. In Salzburg hatte mit besagtem «Tag 47» der um Ideen nie verlegene versatile junge Regionalkantor der...
Am 1. März, bei der «Winterreise»-Premiere im Stuttgarter Opernhaus, winkte Helmut Nanz fröhlich über die Parkettreihen hinweg Freunden und Bekannten zu. Am Vormittag des 11. März verkündeten die Staatstheater Stuttgart die vorübergehende Einstellung des Spielbetriebs. Am 15. April erlag Nanz im Alter von 76 Jahren der Covid-19-Krankheit. In der Stuttgarter...
Nein, gesungen wird nicht an diesem Vormittag. Nur das Plätschern von Wasser ist zu hören. In einem weißen Kubus kniet Bariton David Pichlmaier vor einer Zinkwanne, reibt sich akribisch mit Lehmseife ein, spült sich dann ab. Eine Kamera fängt den Vorgang ein, hautnah, aus unterschiedlicher Perspektive. Wie später auch jene Szene, in der die Sopranistin Katrin...
