Miniaturen, ganz groß
Am 1. März, bei der «Winterreise»-Premiere im Stuttgarter Opernhaus, winkte Helmut Nanz fröhlich über die Parkettreihen hinweg Freunden und Bekannten zu. Am Vormittag des 11. März verkündeten die Staatstheater Stuttgart die vorübergehende Einstellung des Spielbetriebs. Am 15. April erlag Nanz im Alter von 76 Jahren der Covid-19-Krankheit. In der Stuttgarter Kulturszene ist der Unternehmer und Mäzen das prominenteste Opfer der Corona-Epidemie.
Nach der Schließung blieb die Leitung der Staatstheater, insbesondere deren Geschäftsführender Intendant Marc-Oliver Hendrik, hochaktiv. Die Verwaltung wurde digital auf Vordermann gebracht, alle möglichen Varianten einer Spielmöglichkeit vor Publikum unter Vorgaben der Landesregierung und der Abstandsregeln wurden durchgerechnet. Unter dem Motto «Oper statt Corona» sollte die vorsichtige Rückkehr ins Musik- und Theaterleben gewagt werden. Am 5. Juni war es soweit: Oper, Schauspiel, Ballett hatte einen Theaterparcours entwickelt: «Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind». In Vierer-Gruppen wurden die Zuschauer durchs Haus geführt, erlebten auf und hinter der Bühne an 12 Stationen Miniaturen – vom Thomas-Bernhard-Dialog, einem Violin-Solo ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Neustart, Seite 20
von Götz Thieme
Er war weder Impressionist noch Faschist. Aber das half ihm wenig. Beide Vorurteile sind journalistisch längst in Stein gemeißelt, selbst in Italien, dessen größter Komponist er im 20. Jahrhundert gewesen ist. Kein Landsmann schuf vor oder nach Respighi auch nur ansatzweise vergleichbare Instrumentalmusik, was fatalerweise den Blick auf sein Lebenswerk total...
Die Bedrohung – sie ist an diesem Abend für den Zuschauer, wenn er beim Abdunkeln des Saals seine Maske abnehmen darf, allgegenwärtig. Etwas bricht aus, verdunkelt das ganze Leben und lässt anfangs keinen Raum für Hoffnung. Corona? Nein, es ist ein Vulkan, ähnlich dem des Jahres 1815 – Tambora. Er bescherte Europa seinerzeit einen Sommer ohne Sonne: ein...
Masken, überall Masken. Die netten Platzanweiser tragen sie, während sie die gerade einmal 50 Zuschauer in das Münchner Nationaltheater geleiten. Auch das Publikum muss den Mund-Nase-Schutz aufbehalten. Und dann beginnt die Vorstellung damit, dass Holger Falk als verrückter englischer König von stummen Ärzten in Kitteln hereingeführt wird, die in gleicher Weise...
