Gold, Pink, Camp
Auf der Bühne dreht sich langsam ein angeschnitter Kubus im Bauhaus-Stil. Oben in einem verglasten Raum schmiegt sich blaues Ethnokleid an pinke Funktionsweste, schwarzes Haar an Rockerglatze, presst sich Mund an Mund: Zwischen Aida und Radames ist alles klar in Zagreb. Sie knutschen, bis Anubis seine Nüstern dazwischenschiebt. Knallpink der Gott des Totenkults, knallpink auch die Roben der Priester, die lüstern die Pharaonentochter beäugen.
Amneris bringt immer nur die Priester zum Gaffen; Radames ist egal, ob sie sich auf einem Fell in Negligé (pink) und Perlenkappe räkelt oder im weißen Badeanzug im Bad aalt. Pink, Gold, Camp. Und hygienisch kahlgeschoren. So sieht er aus, der Soldatenstaat der Ägypter. Ramfis weiht das Schwert, indem er einen Jüngling an den Füßen aufhängt und ihn dann aufschlitzt wie ein Schwein, wobei der tuntige Knabe high wirkt und sich bis zum letzten Augenblick prächtig zu amüsieren scheint. Party und halbherzige Brutalität, das fasst Balázs Kovaliks Inszenierung ganz gut zusammen. Dazu ägyptisches Altertum mit einer Prise brasilianischen Karnevals: Auf der Siegesparty fliegen die Beine der Tänzer, wogen Federbüsche, wackeln Pharaonenkronen. Die besiegten ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Wiebke Roloff
Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht...
Die Aufführung begann um fünf nach vier am Nachmittag. Als nach dem ersten Akt der Applaus einsetzte, war es fünfundreißig Minuten nach fünf, ohne dass unsere Uhr ihren Geist aufgegeben hätte. Das ist natürlich keine präzise Zeitmessung, aber doch eine verblüffende Erkenntnis und sehr wahrscheinlich ein Rekord. Schneller ist der Gral noch nie enthüllt worden –...
Sensationelle Erkenntnisse verhieß sie, die Ausstellung Mozart-Bilder – Bilder Mozarts im Mozart-Museum am Salzburger Makartplatz (bis 14. April 2013). Das berühmte Porträt von Johann Joseph Lange (1789), Mozarts Schwager, sei nicht unvollendet, wie «jüngste» Analysen des Münchner Doerner-Instituts bewiesen; eine Miniatur sei «kürzlich» als authentische...
