Götterdämmerung
Wir sind am Schluss jetzt von dem ganzen «Ring».
Wir sind am Rhein – und nicht in Paderborn.
Es singt und singt halt jeweils eine Norn.
Man fleht, oh lieber Gott: «Mach aus das Ding!»
Doch er – der Richi – spinnt erst noch Intrigen,
Die uns nun wirklich nicht mehr int’ressieren.
Die Notdurft tut alsbald schwer zu pressieren,
Doch sitzt man fest und will sich schier verbiegen.
Ich mag’s halt nicht, dass unsere Brünnhilden,
Von einem Weib und so ’nem and’ren Arsch,
Mit Sex und Trank (bald: «Siegfrieds Trauermarsch»),
Verarscht wird. Von zwei dummen, doofen Wilden!
Drum geb ich dir, Du Leser (bitte, gern!),
Den Rat: Halt Dich von Gibichungen fern!
Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Arno Lücker
Herr Scholl, frei nach Udo Jürgens: «Mit 55 Jahren …»
(lacht und singt) Mit 55 Jahren, da fängt das Leben an …
Fängt es womöglich für Sie als Bariton an?
Nun ja, der Bariton ist in meiner Kehle immer ein Fremdkörper gewesen. Ich habe im Kiedricher Knabenchor angefangen zu singen, dem zweitältesten Knabenchor Deutschlands, und meine Countertenorstimme ist die ununterbrochene Fortsetzung...
Wer in diesem Sommer am Weimarer Theaterplatz vorbeischlendert, wird im Rücken der Herren Goethe und Schiller eines bemerkenswerten Spruchbands ansichtig. Am Balkongeländer des Deutschen Nationaltheaters steht da zu lesen: «Diplomatie! FRIEDEN! Jetzt!» Das Transparent hängt dort seit jenen Tagen, da Wladimir Putin seinen verbrecherischen Angriffskrieg auf die Ukraine befahl, und sorgt...
Man sah es an und rieb sich leicht verwundert die Augen. Auf den Plakaten des Festivals d’Aix-en-Provence, die den Besucher schon am Stadteingang auf das musiktheatralische Großereignis hinwiesen, fand sich ein Kunstwerk annonciert, das viele, zumindest unter diesem Titel, nicht kennen. «L’Opéra de quat’sous». Très chic, apart, wohlklingend. Und von Logik zumindest angeweht: Im...
