Zauberin auf Lichtsuche

In der Branche galt sie immer als «verrücktes Huhn». Doch das Credo der Sopranistin Simone Kermes lautet noch heute: Denken, Fühlen, Handeln. Porträt einer Frau, die gern über den Tellerrand hinausblickt

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Es könnte ein Bild für die Götter sein – wie sie da so sitzt auf einer Parkbank an der Frankfurter Allee, neben sich eine Tragetasche, und in den Himmel über Berlin blinzelt, leicht versonnen, gedankenversunken, nachdenklich, so ganz anders eben, als man sie von der Bühne her kennt. Aber es ist dieselbe Frau, dieselbe Künstlerin, nur eben abseits des Rampenlichts. Authentisch, das wird Simone Kermes im Verlauf des Gesprächs im «Café Tasso» an der Frankfurter Allee sagen, sei sie da wie dort. Anders könne sie gar nicht. Auch wenn es Menschen gibt, die das kaum glauben mögen.

Klischees entstehen, wenn Narrative in die falsche Richtung gelenkt werden. Das ist so im Sport, in der Politik, und in der Kunst ist es auch so. Das Klischee, mit dem Simone Kermes seit vielen Jahrzehnten konfrontiert wird, besagt, dass sie ein verrücktes Huhn ist: exaltiert, extravertiert, extravagant. Und das stimmt ja zunächst auch einmal. Die Sopranistin mit der unverwechselbaren glockenhellen Stimme (ja, sie hat sie immer noch, man kann es auf ihrem kürzlich erschienenen Album «Luce» nachhören) liebt es, für Minuten oder Stunden eine andere zu sein; vor allem liebt sie es, Kostüme überzustreifen, in denen ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Porträt, Seite 90
von

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