«Glücklich macht uns Illusion»
Chacun à son goût», lautet die Lebensmaxime des Prinzen Orlofsky. Der blasierte Lebemann, der sein Geld in vollen Zügen hinauswirft, langweilt sich und möchte endlich wieder einmal herzhaft lachen. Die Frankfurter Neuinszenierung von Christof Loy kann (und will) da keine Abhilfe schaffen. Selten wurde in einer Aufführung der «Fledermaus» so wenig gelacht wie an diesem Abend. Und das war gut so.
Loy hat, unterstützt vom Frankfurter GMD Sebastian Weigle, tief in die Musik hineingehört und aus ihr jenen nostalgischen Schwebezustand herausgekitzelt, der so typisch ist für die österreichische Mentalität des «Sowohl als auch und des Weder noch» (wie Robert Musil treffend schrieb). Strauß’ Musik unternimmt eine Gratwanderung zwischen Frenesie und Rührung. Hinter dem Walzertaumel lauert stets zugleich die Leere, hinter dem Versprechen der erotischen Orgiastik die Ernüchterung.
Herbert Murauers Bühne – ein gründerzeitlicher, ganz in Brauntönen tapezierter Salon – fasst das Geschehen in einen strengen Rahmen. In diesem raffiniert beleuchteten Einheitsraum entfaltet sich ein Spiel, das auf Gags verzichtet und an Schnitzler oder an die Kammerspiele Tschechows erinnert, bei denen man ja auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
Mister Turnage, Sie haben vor rund zehn Jahren einen kurzen Beitrag für «Opera» geschrieben...
Wirklich? Daran kann ich mich gar nicht erinnern...
Die «Erzähl»-Oper, hieß es da, sei ein Auslaufmodell, eine Sackgasse. Viele dachten damals, «The Silver Tassie» nach Sean O’Casey sei die letzte Turnage-Oper. Jetzt haben Sie es doch wieder gemacht...
Das ist schon...
Tschaikowskys «Eugen Onegin» verlangt eine genaue Kenntnis der sozialen, psychologischen, gesellschaftlichen und politischen Lebensbedingungen der Menschen um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Russland. Verloren in den Weiten eines unendlichen Landes, Rückständigkeit bei der anderswo rasch sich entwickelnden Industrialisierung, Sehnsucht nach einer fernen Welt...
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....
