Märchen für alle
Man mag Barrie Kosky für einen zuweilen leichtfertigen Regisseur halten. Aber kaum je für einen langweiligen. Mit dieser angelsächsischen Tugend könnte ihm noch einmal die Schlüsselrolle zufallen, aus den Einbahnstraßen eines inzwischen oft verbraucht wirkenden Regietheaters Auswege zu finden. Mit «Rusalka» jedenfalls gelingt ihm in Berlin nicht nur ein Votum für ein gern unterschätztes Meisterwerk, sondern eine seiner besten Arbeiten bislang.
Kosky hält die Geschichte von der Wasserfrau, die zu den Menschen will (und dabei ihren Prinzen mit in den Abgrund reißt), für einen zweifelsfreien Märchenstoff. Dennoch will er, dass sich jeder Zuschauer sein eigenes Märchen projiziert. Ein zunächst merkwürdig bescheidener, um nicht zu sagen: unmöglicher Anspruch. Denn dann könnte sich jeder zu Hause seine eigene CD auflegen – und drauflos projizieren. Klaus Grünberg hat das Neorokoko-Bühnenportal des Hauses dupliziert und noch einmal auf die Bühne bauen lassen – verkleinert, so dass wir die Handlung in doppeltem Rahmen sehen: Theater auf dem Theater. Was das mit der erklärten Projektionseinladung an das Publikum zu tun hat, ist dem Verfasser, ehrlich gesagt, verschlossen geblieben. Da aber ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Kai Luehrs-Kaiser
«…um Ihren Namen dreht sich die ganze Geschichte der Musik seit 10 Jahren, und bey jedem Musiker, den man jetzt zu besprechen hat, wird man unwillkürlich auf die Frage gerathen in welchem Verhältniß er zu der Meyerbeerschen Musik gestellt ist oder sich gestellt hat.» Heinrich Heines briefliche Bemerkung von 1842 gegenüber Giacomo Meyerbeer ist keine Schmeichelei,...
Es ist ein gewaltiger Sprung, den sich Agneta Eichenholz mit ihrer Alcina zutraut: Von der Lulu, mit der sie vor knapp zwei Jahren an Covent Garden den internationalen Durchbruch feierte, zu Händels Zauberin zu wechseln, heißt vom Opfer zur Täterin werden, von der Kindfrau zum männerverzehrenden Vamp. Dass die Schwedin auch das Format für die reife Femme fatale...
Das Leichte ist oft das Schwerste. Der britische Komponist Mark-Anthony Turnage und sein Librettist Richard Thomas nahmen sich die Tragödie des Models Anna Nicole Smith vor – und legten ihr Auftragswerk für Covent Garden als «schwarze Komödie» an. Richard Jones lieferte knallbunte Showbilder dazu. Groteskes Revuetheater zwischen Sex und Sensationen. Christof Loys...
