Adoleszenz auf Abwegen
Eines kann man über den neuen «Ring» an der Bastille schon jetzt sagen: Beim französischen Publikum stößt er auf vehemente Ablehnung. Wie schon bei «Rheingold» und «Walküre» gab es auch im «Siegfried» eine von Wagner eigentlich nicht vorgesehene Rolle, den Buh-Chor. Dabei bietet Günter Krämers Inszenierung keinerlei echte Provokationen, vielmehr werden die Stärken und Schwächen seiner Deutung immer deutlicher.
«Rheingold» war eine manchmal etwas unkonzentrierte Verquickung ästhetisierten Hochglanztheaters mit eingestreuten Emblemen deutscher Geschichte; die «Walküre» führte beide Ebenen in überzeugender Weise zusammen. Leider stellten sich erneut Unschärfen ein.
Wenn sich der blonde Zottel Siegfried und sein keifender (blond perückter) Ziehvater Mime zanken, dann sieht man auf der linken Bühnenseite eine Kolonie Gartenzwerge nebst pittoresker Windmühle; rechts steht ein Freiluftgewächshaus mit Wärmelampen. Im Hintergrund hängen grüne Lamellen, seltsamerweise gibt es noch einen Fahrstuhl, der allerdings einzig dazu dient, den von Siegfried gefangenen Bär an einen unbestimmten Ort zu schicken. Dies ist ein Teil jenes mäßigen Kasperltheaters, das den ersten Akt beherrscht. Erst als ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jörn Florian Fuchs
Oldenburgs Theater ist für eine Spielzeit aus der Innenstadt gezogen. Nach draußen, aufs freie Land. Dort, in einem seit Jahren stillgelegten Fliegerhorst, hat man eine ehemalige Flugzeugwartungshalle für ein hübsches Sümmchen umgebaut, sie sozusagen entmilitarisiert und theatralisiert, ihr dabei unter anderem eine Zuschauertribüne, einen Orchestergraben und eine...
Das Schicksal des «Deutschen Miserere» von Bertolt Brecht und Paul Dessau ist denkwürdig. Umso mehr, da es erst jetzt, sieben Jahrzehnte nach seiner Entstehung, auf einer Opernbühne erscheint. Das packende Stück war als Oratorium gedacht, entstand während des Zweiten Weltkriegs im US-amerikanischen Exil, wurde aber erst 1966 in der DDR konzertant aufgeführt, 1989...
Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz,...
