Glück im Unglück

Anna Netrebko, Piotr Beczala und Valery Gergiev sorgen für Festspielglanz: Tschaikowskys «Jolanthe» und Rachmaninows «Aleko» in Baden-Baden

Opernwelt - Logo

Für Tschaikowskys Kurzoper «Jolanthe» waren Rolando Villazón und Anna Netrebko im Festspielhaus Baden-Baden wieder einmal als Traumpaar gebucht, ehe der mexikanische Tenor im Februar seinen Auftritt wegen akuter Stimmbandprobleme absagte. Glücklich ist das Publikum nach der glanzvollen Eröffnung der Sommerfestspiele trotzdem geworden. Denn Anna Netrebko setzt nach kurzer Babypause bei diesem Rollendebüt im ausgezeichneten Ensemble des Mariinsky Theaters aus St. Petersburg Maßstäbe.

Mit ihrem samtigen, dunkel glühenden Sopran veredelt sie die Lyrismen der ganz nach innen gerichteten Titelpartie. Gerade die Anfänge und Schlüsse ihrer Phrasen sind vollendet. Selbst in dramatischen Ausbrüchen wie beim Lichtduett mit Piotr Beczala (als Graf Tristan Vaudémont) verliert sie nie ihre perfekte Linienführung. Es liegt auch an der Begleitung durch das Orchester des Mariinsky Theaters, dass sich Netrebkos Pianokultur so frei entfalten kann. Dirigent Valery Gergiev spitzt nichts zu. Er lässt diese kantable, ins Süßliche tendierende Musik aus Tschaikowskys letzter Oper fließen. Die Solisten trägt er auf Händen. Ein dunkler, edler Streicherklang bettet die weit gespannten Gesangslinien.
Mit dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Festspiele, Seite 22
von Georg Rudiger

Vergriffen
Weitere Beiträge
An der Baumgrenze

Während der ersten Takte seiner Canzonetta schnüffelt Don Giovanni an einer langstieligen roten Rose, trägt sie ins Parkett und baut sich vor einer älteren Dame in der ersten Reihe auf. Ihr ist der Anfang der ersten Strophe gewidmet. Während das Publikum hinten zu glucksen beginnt und der plötzlich Umworbenen Röte ins Gesicht steigt, ist der große Verführer schon...

Editorial

In seiner Schrift «Werk und Wiedergabe» von 1929 schimpfte Hans Pfitzner gegen gewissenlose «Spielleiter», die den Geist der «Meisterwerke» verfälschen würden. Es gebe eine klare Hierarchie zwischen schaffenden und nachschaffenden Künstlern; ein «schöpferischer Interpret» sei ein Widerspruch in sich selbst. Das Schlagwort hieß damals «Klassikertod». Einige Jahre...

Goldregeln für Goldkehlen

Nur alle fünf Jahre findet der 1984 ins Leben gerufene und nach der Sängerin und Gesangspädagogin Mirjam Herlin (1911-2006) benannte Gesangswettbewerb in Helsinki statt. Er genießt internationales Ansehen und kann bereits auf eine stolze Siegerliste zurückblicken, in der sich Namen wie Vladimir Chernov, Olaf Bär, Andrea Rost, René Pape und Elina Garanca finden. Die...