Gleißende Düsternis
Da sitzt er nun am Lido in Venedig, so steif wie sein Anzug, und quält sich mit Selbstzweifeln, während die anderen dem bunten Strandtreiben nachgehen. Dichterfürst Gustav von Aschenbach ist vor einer Schaffenskrise nach Italien geflohen, aber seine Lebenslüge holt ihn unbarmherzig ein, und seine unterdrückten Triebe geraten in einen letztlich tödlichen Konflikt mit den Zwängen bürgerlicher Moral.
Benjamin Brittens letzte Oper hat, wie die literarische Vorlage von Thomas Mann, viele Facetten: die Beschreibung der in Morbidezza verdämmernden Stadt Venedig, die Auseinandersetzung mit der eigenen und dennoch fremden Homosexualität, der philosophische Konflikt zwischen geistiger und körperlicher Makellosigkeit.
Die Inszenierung von Deborah Warner konzentriert sich dabei ganz auf die Hauptfigur. Ian Bostridge singt und spielt den Aschenbach mit einer Intensität, die Schaudern macht. Er räsonniert, zweifelt, taumelt, hadert, ekelt sich, ergibt sich in glücklicheren Momenten einer schwerelosen Melancholie – um dann am Ende förmlich einzugehen an der Unfähigkeit, die selbst gewählte Rolle als dichterischer Beobachter und Analytiker zu verlassen und seine Gefühle zu leben.
Bei Bostridge ...
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