Sichtbeton mit Palme
Eines der markanten Merkmale des Mannheimer Nationaltheaters sind die Logenbalkons aus rohem Sichtbeton, die im Laufe der Jahre schmuddelig und dunkel geworden sind. Ob sich Regisseurin Monique Wagemakers und Bühnenbildner Thomas Rupert für ihre Deutung der «Ariadne auf Naxos» von dieser Architektur haben inspirieren lassen, sei dahingestellt. Wenn der Vorhang aufgeht, sieht man jedenfalls wenig Neues: nackte, hohe Wände aus blankem, grauem Beton, in der Mitte eine Rotunde, auch sie aus Beton, einige blaue Schalensitze als Farbkontrast.
Offenbar soll das ein unfertiger U-Bahnhof oder eine Bauruine sein. Warum, bleibt offen. Es muss etwas mit der «wüsten Insel» zu tun haben, auf der die Oper in der Oper spielen soll, und damit, dass Beton das Symbol unserer Epoche ist. Scheußlich sieht es trotzdem aus.
Bezwingend dagegen ist die Idee, die göttergleiche Position des Haushofmeisters ernst zu nehmen und ihn nicht körperlich, sondern nur vermittelt zu zeigen. In der Logik des Bühnenbilds heißt das: auf einem Monitor. Romanus Fuhrmann ist ein kalt lächelnder, glatzköpfiger Bürokrat, dem die bösartige Höflichkeit eines echten Wiener Hofdieners fehlt. Marie-Belle Sandis sieht in der ...
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