Gleichnis in Rüschen
Es gehört zum Job des Intendanten, die Werbetrommel zu rühren und im Rückblick ein bisschen zu verklären. «Wohl selten ist eine zeitgenössische Oper unter glücklicheren Umständen geboren worden», meinte Gustav Rudolf Sellner über die Uraufführung von «Der junge Lord» an der Deutschen Oper Berlin. 1965 fand die statt, und natürlich meinte Sellner die Umstände der künstlerischen Arbeit. Hans Werner Henze war vor Ort, Ingeborg Bachmann als Librettistin eng einbezogen, das Ensemble bis in die kleinsten Rollen hinein glänzend; Dohnányi dirigierte, und der Hausherr führte Regie.
Man zog an einem Strang, und zumindest beim Publikum kam die Sache prächtig an. Bei der Presse weniger.
Es war zwar noch nicht die Zeit der Großen Koalition, in der es so gut wie keine Opposition mehr gab; noch waren Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke am Leben und aktiv. Noch war Henzes «Floß der Medusa» nicht geschrieben, dessen Uraufführung mit dem Gedenken an Che Guevara und Polizeiknüppeln verbunden ist. Doch eine Komödie wie «Der junge Lord», das kam vielen doch zu harmlos vor in dieser Zeit vor dem spürbar nahen, großen Umbruch. Eine Opera buffa als Signal? Kritik, die «Der junge Lord» am Stillstand im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Adorno hat seine Kritik an Wagners Musik in eine dialektische Volte verpackt: Die Leitmotivtechnik mit ihrer Statik bilde die Kehrseite von Wagners «unendlicher Melodie». Insbesondere der «Götterdämmerung» warf Adorno vor, sie schleppe eine ganze «Armatur von Leitmotiven» mit sich herum; damit seien musikalischer Fluss und die Chance zur wahren Entwicklung...
Sven-David Sandström (Jahrgang 1942) gehört heute zu den produktivsten und am meisten aufgeführten Komponisten Schwedens. Ursprünglich als enfant terrible betrachtet (unter anderem hat er 1982 mit seinem Requiem eine für schwedische Verhältnisse ungewöhnlich vehemente Musikdebatte provoziert), festigte er seinen Ruhm schon früh mit Orchesterwerken. Bis heute hat er...
Zwischen diesen beiden jüngst erschienenen «Arabella»-DVDs liegen Welten: hier die klassische Fernseh-Verfilmung im Playback aus dem Jahr 1977, dort die Wiederaufnahme einer Götz-Friedrich-Inszenierung als Live-Mitschnitt aus Zürich.
Bei Otto Schenks Filmversion erfreuen erlesen beleuchtete, prachtvolle Räume des 19. Jahrhunderts und lebendige Kamerafahrten mit...
