Gleichnis in Rüschen
Es gehört zum Job des Intendanten, die Werbetrommel zu rühren und im Rückblick ein bisschen zu verklären. «Wohl selten ist eine zeitgenössische Oper unter glücklicheren Umständen geboren worden», meinte Gustav Rudolf Sellner über die Uraufführung von «Der junge Lord» an der Deutschen Oper Berlin. 1965 fand die statt, und natürlich meinte Sellner die Umstände der künstlerischen Arbeit. Hans Werner Henze war vor Ort, Ingeborg Bachmann als Librettistin eng einbezogen, das Ensemble bis in die kleinsten Rollen hinein glänzend; Dohnányi dirigierte, und der Hausherr führte Regie.
Man zog an einem Strang, und zumindest beim Publikum kam die Sache prächtig an. Bei der Presse weniger.
Es war zwar noch nicht die Zeit der Großen Koalition, in der es so gut wie keine Opposition mehr gab; noch waren Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke am Leben und aktiv. Noch war Henzes «Floß der Medusa» nicht geschrieben, dessen Uraufführung mit dem Gedenken an Che Guevara und Polizeiknüppeln verbunden ist. Doch eine Komödie wie «Der junge Lord», das kam vielen doch zu harmlos vor in dieser Zeit vor dem spürbar nahen, großen Umbruch. Eine Opera buffa als Signal? Kritik, die «Der junge Lord» am Stillstand im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer den neuen, von Santiago Calatrava entworfenen Palau de les Arts in Valencia besucht, sollte sich warm anziehen. Denn man fröstelt schnell in dieser kühlen, mit weißen und blauen Kacheln ausgekleideten Architektur, die weit entfernt vom Stadtzentrum im trockengelegten Flussbett des Turia errichtet wurde. Wie man hört, soll es bei starkem Regen immer noch...
Manchmal muss eben der Brandschutz ein Machtwort sprechen, damit sich etwas bewegt. Im Wuppertaler Opernhaus wäre wohl bis heute alles beim Alten, wenn die Feuerexperten nicht eines Tages die Schließung des maroden Gebäudes angedroht hätten. Erst dann rang sich die hoch verschuldete Stadt am Rande des Bergischen Landes durch, den Bau aus den fünfziger Jahren...
In einer Zeit, in der jedes deutsche Provinztheater «Jenufa» auf Tschechisch und «Eugen Onegin» auf Russisch spielt, wobei die Sänger, die sich ihren Text phonetisch eingehämmert haben, nicht verstehen, was sie singen (und das Publikum erst recht nicht), ist die Renaissance der Rundfunkaufnahmen aus der Zeit des Wirtschaftswunders ein heilsames Korrektiv. Statt der...
