Gemischte Gefühle
Wer den neuen, von Santiago Calatrava entworfenen Palau de les Arts in Valencia besucht, sollte sich warm anziehen. Denn man fröstelt schnell in dieser kühlen, mit weißen und blauen Kacheln ausgekleideten Architektur, die weit entfernt vom Stadtzentrum im trockengelegten Flussbett des Turia errichtet wurde. Wie man hört, soll es bei starkem Regen immer noch Probleme mit dem Grundwasser geben.
Als wären sie sich der stets präsenten Kälte des Hauses bewusst gewesen, haben Regisseur Stephen Wadsworth und sein Bühnenbildner Thomas Lynch die Bühne für «Iphigénie en Tauride» bewusst warm gestaltet. (Die Aufführung ist mit der Met koproduziert, siehe OW 1/2008). An den roten Wänden eines naturalistisch nachgebauten Tempels flackern Fackeln, alle Figuren sind braun-rötlich gekleidet. Nur ein kleiner, am linken Bühnenrand sichtbarer Ausschnitt gestattet den Blick nach draußen in die Mondnacht.
Dort sieht es ähnlich grau aus wie in der Seele des Schiffbrüchigen Orest, den die Furien für die Ermordung seiner Mutter in die Verbannung gejagt haben. Orests Landung an den Gestaden von Tauris ist auch für Plácido Domingo eine Ankunft, nämlich im Baritonfach. Beeindruckend, wie offen der 67-Jährige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht...
In einer Zeit, in der jedes deutsche Provinztheater «Jenufa» auf Tschechisch und «Eugen Onegin» auf Russisch spielt, wobei die Sänger, die sich ihren Text phonetisch eingehämmert haben, nicht verstehen, was sie singen (und das Publikum erst recht nicht), ist die Renaissance der Rundfunkaufnahmen aus der Zeit des Wirtschaftswunders ein heilsames Korrektiv. Statt der...
Im Jahr 2007 ließ das Theater Regensburg mit einer fulminanten Produktion von Alban Bergs «Lulu» aufhorchen. Nun folgte, ein Abschiedsgeschenk von und für Generalmusikdirektor Raoul Grüneis, der «Wozzeck». Regie führte Ballettchef Olaf Schmidt, und er animierte mit tänzerischen Ausdrucksmitteln weitere inhaltliche Dimensionen des formal extrem durchgebildeten...
