Glaube, Liebe, Hoffnung
Fünf Grad, Regen, Wind: Wir wissen nicht, wie viele Demonstranten sich bei anderem Wetter eingefunden hätten. So bleibt es bei einem halben Dutzend in der Hofstallgasse, das der vorbeihastenden Gala-Gemeinde ein «Netrebko, no stage!» entgegenruft. Vielleicht ist es auch ein Symptom. Auftritte der Diva sind, zumindest im südlicheren Europa, inzwischen fast Normalfall. Zumal hier, in Salzburg, wo die Osterfestspiel-Premiere ausgerechnet mit dem chorischen Appell «Feste e pane» anhebt.
Dabei ist «La Gioconda» für das Festival eigentlich ein Unding.
Nur zwölf Opern-Hits vertrage das österliche Spektakel mit seinen Ticket-Preisen bis zu 490 Euro, rechnete der ehemalige Intendant Peter Ruzicka vor. Nachfolger Nikolaus Bachler setzt für das kaum gespielte Bühnenwerk von Amilcare Ponchielli auf hohe Star-Dichte. Das Ergebnis: drei ausverkaufte Abende, Standing Ovations. Für Anna Netrebko kommt die Titelpartie gerade recht. Diese bewegt sich gern in der Mittellage mit gelegentlichen Ausflügen in Bereiche oberhalb des Notensystems. Dafür setzt die Netrebko ihr feines Flötenregister ein. Ansonsten hört man Reichhaltiges, eine satte, dunkle Substanz, eine Lust zur Offensive. Wie schon im ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Markus Thiel, Jürgen Otten
Manchmal sind Nudeln mit Tomatensauce die Lösung. Das Stück ist vorbei, aber der Abend geht im Foyer des Aalto Musiktheater Essen weiter: Ein Jazz-Trio spielt Arrangements der Oper «L’amant anonyme», Darstellerinnen und Darsteller in voller Perückenpracht schwitzen mit in der Menge, und Schaulustige beklatschen die Tänzerinnen und Tänzer auf der Treppe. Es gibt...
Die Prager Staatsoper ist ein Prunkstück des berühmten Wiener Architekturbüros Fellner & Helmer. Als Neues Deutsches Theater wurde das Haus 1888 eingeweiht, zur Eröffnung spielte man Richard Wagners «Meistersinger von Nürnberg». Angelo Neumann, der erste Direktor, zählt aufgrund seiner spektakulären Europatournee mit dem «Ring des Nibelungen» zu den zentralen...
Wenn sie sich dazu entschieden haben, mich zu töten, heißt das, dass wir unglaublich stark sind.» Letzte Worte, aufgenommen vor dem nicht angekündigten, aber doch erwartbaren Tod. Und es ist keine bemüht aktualisierende Regie-Idee – der tragische Fall Alexej Nawalny spukt ohnehin durch diese Aufführung. Also soll dem gerade Ermordeten per Lautsprecher-Zitat auch...
