Vor allem lustvoll

Die Münchner Theaterakademie präsentiert Leon Zmeltys «Einladung zur Enthauptung» und eine Rarität aus dem Hause Bach

Opernwelt - Logo

Wenn sie sich dazu entschieden haben, mich zu töten, heißt das, dass wir unglaublich stark sind.» Letzte Worte, aufgenommen vor dem nicht angekündigten, aber doch erwartbaren Tod. Und es ist keine bemüht aktualisierende Regie-Idee – der tragische Fall Alexej Nawalny spukt ohnehin durch diese Aufführung. Also soll dem gerade Ermordeten per Lautsprecher-Zitat auch das Finale gebühren. Nicht erst in diesem Moment erwächst aus dem Abend Beklemmung, weil er sich mit der Realität überschneidet.

Die musiktheatrale Performance «Einladung zur Enthauptung» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov. Cincinnatus, ein zum Tode Verurteilter, erwartet in einer kafkaesken Situation seine Hinrichtung. Ein vorgeblicher, clownesk überdrehter Mitgefangener entpuppt sich als Henker.

Mehr Ambition geht kaum. Zumal dieser 90-Minüter nicht die einzige Neuproduktion der Theaterakademie August Everding innerhalb weniger Wochen ist. Aus dem Stadium, als zur Nachwuchsbeschäftigung Immergleiches à la «Così fan tutte» einstudiert wurde, ist das Institut im Münchner Prinzregententheater längst hinaus. Während also die groteske «Enthauptung» in der Reaktorhalle, einer Art Werkstattbühne, vollzogen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Vorschau und Impressum 5/24

Altehrwürdig
Friedrich Schiller war Stammgast in Altenburg. Seine Stücke wurden im Herzoglichen Hoftheater regelmäßig gespielt. Dazu Opern von Wagner, Bizet und Weber. Seit einiger Zeit ist das Theater geschlossen, gespielt wird in einem Theaterzelt. Zum Auftakt unserer Serie «Opernwelt auf Landpartie» fahren wir hin und schauen uns um

Neugierig
Seine Lehrer waren...

Tragödien der Grausamkeit

Vor 40 Jahren war die französische Barockoper selbst in ihrer Heimat kaum mehr als ein Gerücht. Inzwischen bietet sie dem interessierten Hörer ein fast unerschöpfliches Füllhorn dar. Wer einmal ihrem unvergleichlichen Zauber erlegen ist, wird zum Nimmersatt – nicht zuletzt, weil französische Künstlerinnen und Künstler mit ihren Ensembles die einst führenden...

Glaube, Liebe, Hoffnung

Fünf Grad, Regen, Wind: Wir wissen nicht, wie viele Demonstranten sich bei anderem Wetter eingefunden hätten. So bleibt es bei einem halben Dutzend in der Hofstallgasse, das der vorbeihastenden Gala-Gemeinde ein «Netrebko, no stage!» entgegenruft. Vielleicht ist es auch ein Symptom. Auftritte der Diva sind, zumindest im südlicheren Europa, inzwischen fast...