Vor allem lustvoll
Wenn sie sich dazu entschieden haben, mich zu töten, heißt das, dass wir unglaublich stark sind.» Letzte Worte, aufgenommen vor dem nicht angekündigten, aber doch erwartbaren Tod. Und es ist keine bemüht aktualisierende Regie-Idee – der tragische Fall Alexej Nawalny spukt ohnehin durch diese Aufführung. Also soll dem gerade Ermordeten per Lautsprecher-Zitat auch das Finale gebühren. Nicht erst in diesem Moment erwächst aus dem Abend Beklemmung, weil er sich mit der Realität überschneidet.
Die musiktheatrale Performance «Einladung zur Enthauptung» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov. Cincinnatus, ein zum Tode Verurteilter, erwartet in einer kafkaesken Situation seine Hinrichtung. Ein vorgeblicher, clownesk überdrehter Mitgefangener entpuppt sich als Henker.
Mehr Ambition geht kaum. Zumal dieser 90-Minüter nicht die einzige Neuproduktion der Theaterakademie August Everding innerhalb weniger Wochen ist. Aus dem Stadium, als zur Nachwuchsbeschäftigung Immergleiches à la «Così fan tutte» einstudiert wurde, ist das Institut im Münchner Prinzregententheater längst hinaus. Während also die groteske «Enthauptung» in der Reaktorhalle, einer Art Werkstattbühne, vollzogen ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Markus Thiel
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Eine jede Zeit hat ihre Kulturkämpfe auszutragen, leider nicht immer zum Vorteil für die Beteiligten. Einer davon spielt sich gegenwärtig zwischen den Geschlechtern ab (nehmen wir einmal an, es gibt tatsächlich zwei – mit Abweichungen). Unsere dauererregte Öffentlichkeit führt es uns vor: Kein Tag vergeht, an dem nicht von «toxischer Männlichkeit» die Rede geht,...
Nach seinem kraftvoll-romantisierenden Doppelpack mit Tschaikowskys «Iolantha» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» in der Spielzeit 2015/16 kehrte Mariusz Treliński nun – im Rahmen einer Koproduktion mit dem Warschauer Teatr Wielki – als Regisseur von Verdis «La forza del destino» zurück an die Met. Und wie kaum anders zu erwarten, erzählt Treliński die Oper als...
