Glaube, Liebe, Hoffnung
Das Geld und die Kunst lagen in London eigentlich schon immer und fast buchstäblich nebeneinander auf der Straße. Noch heute gibt es in der Bankenstadt, der kundige Zeitgenossen den poetisch-sarkastischen Beinamen «Laundramat» angedichtet haben, verstreut über die Viertel sogenannte «Theatre Pubs», wo im Erdgeschoss Unmengen von Pints durch durstige Brexitkehlen fließen und eine Etage höher Theater gespielt wird. Das Niveau ist überschaubar, aber Kunst muss ja nicht immer staatstragend oder glorios (oder beides) sein. Sie muss zunächst einmal stattfinden.
Und genau das ist in London gerade schwierig. Zumindest für ein Haus.
Aufgrund eines Beschlusses des «Arts Council England» werden die Subventionen für die English National Opera (ENO) ab der Saison 2023 bis mindestens 2026 zusammengestrichen. Der jährliche Zuschuss in Höhe von 12, 6 Millionen englischen Pfund wird storniert und durch eine Förderung von 17 Millionen Pfund für den gesamten Zeitraum ersetzt, was faktisch bedeutet, dass für die Kunst an der ENO kaum mehr etwas übrigbleibt. Jedenfalls zu wenig. Der Schock sitzt tief, die Kompanie wird wohl gezwungenermaßen nach Manchester ausweichen. Für die ohnehin schon von ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Cottbus hat eines der schönsten Theaterhäuser Deutschlands, den 1908 von Bernhard Sehring errichteten, unversehrt gebliebenen Jugendstilbau. In dem Vierspartenhaus wird inhaltlich und ästhetisch Vielschichtiges, zuweilen Bedeutsames auf die Beine gestellt. Dabei erinnert Intendant Stephan Märki sein Publikum gerne daran, «wie brüchig unser Leben ist». Solcher...
Der Anfang ist erheiternd – eine Diaschau mit aktuellen Bezügen zur historischen Caterina Cornaro (1454–1510), die nach dem Tod ihres Gatten Zypern regierte, ehe Venedig 1489 endgültig die Herrschaft über die Insel an sich riss. Man muss befürchten, dass Donizettis Oper als Klangkulisse eines öden Biopics missbraucht würde. Doch die erste Szene, die mit ordinärer...
Am Ende, wenn nach guten drei Stunden der Saal des Opernhauses zu Lille in orangerotem Licht erglüht, geschieht das bislang Ungesehene. Beim Auftritt der Solistinnen und Solisten herrscht ein Getrampel und Gejubel auf der Bühne, das seinesgleichen sucht. Dafür verantwortlich zeichnen Heerscharen von Kindern und Jugendlichen, die bei dieser Aufführung herausragend...
