Glanz im Elend

Die Londoner Royal Opera bringt Janáčeks «Totenhaus» in einer kritischen Edition und ein neues Stück von Mark Anthony Turnage heraus

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Auf Mark Wigglesworths Pult liegt John Tyrrells 2017 erschienene kritische Neuedition von Janáčeks letzter Oper «Aus einem Totenhaus». In der Ouvertüre schlagen die hohen Violinen weniger nervös aus als etwa bei Charles Mackerras: Wigglesworth scheint darauf bedacht, das beinahe kammermusikalisch agierende Orchester bewusst dicht zu führen, um den von Janáček in die Extreme gesetzten Klängen Halt zu geben.

Unterdessen kritisiert ein paar Meter weiter oben der Philosoph Michel Foucault das Justizwesen (untertitelte Videos leiten jeden Akt ein), ehe der Blick auf eine Knastturnhalle freigegeben wird. Krzysztof Warlikowski und seine Ausstatterin Małgorzata Szczęśniak siedeln Janáčeks Gulag-Stück in einem Gefängnis an, «wie wir es heute in der Türkei, Brasilien, Mexiko und jeder der westlichen Demokratien finden können». Was keineswegs bedeutet, dass der Regisseur bei jeder Gelegenheit die Macht der Wärter herausstreicht. Selbst die Ankunft Alexander Petrowitsch Gorjantschikovs – um den Aufnahmetrakt zu zeigen, fährt eine verglaste Box auf die Bühne –, bei der der gebeugte Mann brutal zusammengeschlagen wird, bleibt ein Ereignis am Rande, das hinter die Händel der übrigen Insassen ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wiebke Roloff

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