Irre Typen, bittere Pillen

Donizetti: Don Pasquale
Stuttgart | Oper

Opernwelt - Logo

Donizettis «Don Pasquale» ist eine überraschende Wahl des Regie-Duos Jossi Wieler/Sergio Morabito für ihre vorletzte gemeinsame Arbeit, ehe sie am Saisonende die Oper Stuttgart verlassen. Die Farce vom heiratswütigen Alten und der jungen, ihn übertölpelnden Frau spielt zwar mit den Versatzstücken der italienischen Buffa-Tradition, polt sie aber um: Aus der Typenkomödie wird realistisches Musiktheater, aus Masken werden Menschen, Komik wird mit Ernst getönt.

Wieler/Morabito nehmen das meist als Klamotte verhökerte dramma buffo beim Wort und versetzen das bittere Gesellschaftsspiel ins Heute.

Unterfüttert ist ihr Ansatz mit einem burlesken Vorspann. Während im Graben die Ouvertüre zur Begleitmusik schrumpft, deutet auf dem noch geschlossenen Bühnenrund ein popbunter, Barrie Koskys «Zauberflöten»-Comic aufgreifender Animationstrickfilm an, wie Pasquale in jungen Jahren als kiffender Beatles-Fan auf die Liebe verzichtete und sich unter der Knute des drohenden Vaters zum Karrieristen zurechtbiegen ließ. Wenn sich dann die von Jens Kilian entworfene, raffiniert verschachtelte Drehbühne öffnet, sehen wir ihn, abgeschirmt durch eine hohe Gitterwand, in seinem sterilen Büro an einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
In Nahost nichts Neues

Am Ende gibt es Kusshände fürs Publikum. Jens-Daniel Herzog wirft sie auch jenen zu, die laute Buhs in Richtung Bühne brüllen, zeigen sie doch, dass er mit seiner Inszenierung zumindest wieder eine Reaktion erzwingen konnte bei seinen Dortmundern. Nach sieben Jahren Opernintendanz wechselt Herzog zur kommenden Spielzeit ans Staatstheater Nürnberg. Was von ihm im...

Bitter vergnüglich

«Die Ausflüge des Herrn Brouček» gehören zu den selten gezeigten Meisterwerken Janáčeks. Und zwar deswegen, weil die 1917, unmittelbar vor «Katja Kabanowa» entstandene Oper nicht als solches gilt. Begründet wird das Urteil mit dem chaotischen Libretto, an dem mindestens vier Autoren beteiligt waren, unter ihnen auch der Komponist; schon die literarische Vorlage ist...

Schluss, vorbei

Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...