Banale Bilder
Eine Oper der stetigen Veränderung. Kaum eine Phrase ist wie die andere. Auch wenn sie ähnlich klingt, der Rhythmus weiterläuft, jede enthält kleine, wirkungsvolle neue Impulse. Philip Glass erzählt in «Echnaton» von einem radikalen Veränderer, jenem Pharao, der sich von der unübersichtlichen Vielgötterwelt lossagte und Aton, den Sonnengott, an ihre Stelle setzte. Mit dem für einen ägyptischen Herrscher der Antike berufstypischen Größenwahn und brutaler Aggression. Ein Visionär, ein Diktator, ein Gescheiterter – die Historiker wissen wenig über ihn.
Wie «Satyagraha» und «Einstein on the Beach» ist «Echnaton» kein biografisches Werk, sondern philosophisch, rätselhaft, assoziationsoffen.
Die Regisseurin Laura Scozzi hat ihm nun in Bonn eine lineare Handlung übergestülpt. Ein Lehrer versucht, seine undisziplinierte Schulklasse für ägyptische Geschichte zu begeistern. Ein Mädchen namens Marie fährt voll auf Echnaton ab, fantasiert sich in seine Welt, glaubt an ihn, radikalisiert sich, unterzieht sich einer rituellen Waschung, lässt sich die Haare scheren, wird zur Selbstmordattentäterin.
Nicht ganz so banal ist der zweite Inszenierungsgedanke: Scozzi sieht in Echnaton den Begründer ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Stefan Keim
In den Jahren des Wiederaufbaus nach 1945, in denen sich die Theater personell wie räumlich erst allmählich wieder zu konsolidieren begannen, kam den Rundfunkanstalten eine besondere Bedeutung für die Bewahrung des kulturellen Erbes zu. Die Zahl der Opern, die in den 1950er-Jahren in beiden Teilen Deutschlands in den Funkhäusern aufgenommen wurden, ist Legion. Die...
Gibt es eine «gelungene» sowjetische Oper nach 1945? Schwer zu sagen, was im Jahr 1959 vielleicht eine gewagte Satire war, die in der Periode von Tauwetter und Entstalinisierung ideologisch gepusht wurde, erscheint heute einem Bühnenmann und Regisseur wie Dominique Horwitz nur als fade Beschönigung der wirklichen Verhältnisse im Realsozialismus.
Die Rede ist von...
Sie gilt als Spezialistin für extreme Rollen, für dämonische, gefallene, verratene Heldinnen, für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Abseits der Bühne erweist sich die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als eine außerordentlich reflektierte Persönlichkeit – mit außergewöhnlichen Ansichten. Ein Gespräch über Männer, das Leben, die Liebe, den Tod – und...
