Glamour à la Hollywood
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser Außenseiter mit den richtigen Karten beim Glücksspiel in die Hautevolée einkaufen zu können und so an seine ferne Geliebte aus jenen Kreisen heranzukommen.
Der Hermann in der Neuinzenierung von Peter Tschaikowskys «Pique Dame» an der Düsseldorfer Oper am Rhein ist ein zerwühlter Künstlertyp vom Schlage eines E.T.A. Hoffmann. Beeindruckt und doch angewidert von der ihn umgebenden feinen Gesellschaft, auf der Suche nach wahren Gefühlen säuft und spielt er sich ins Delirium.
Regisseurin Lydia Steier beschwört mit einem grellen Mummenschanz – Dienstmädchen in Bunnykostümen, Gesellschaftshaie in Galagewandung und Kinder in Cowboytracht nach Westernmanier – das gute alte Hollywood. Das passt (wenngleich es manchmal ein bisschen albern wirkt), steht doch das amerikanische Glitzerfilmland der Dekadenz im Milieu der reichen Oberschicht ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Josef Oehrlein
Die Götter sind unter uns. Wie der Actionheld eines Blockbusters wirft Herkules die Gestalten der Unterwelt von ihren langen Stelzenarmen und -beinen, auf denen sie in der Bayerischen Staatsoper in spindeldürrer Schwärze einherschreiten. Erst danach führt Apoll im strahlend weißen Kaftan das Paar wieder zusammen, das er zuvor bis über die Grenze des menschlich...
Er ist ein Bauchmensch und Hasardeur. Ein Maestro, der Live-Luft braucht, um seine Fähigkeiten zu entfalten. Aber auch ein machtbewusster Impresario, der aus seiner Sympathie für den starken Mann im post-sowjetischen Russland kein Hehl macht. Seit 1988 befehligt Valery Gergiev das Mariinsky Theater in Sankt Petersburg. 2015 wurde er Chefdirigent der Münchner...
«Mein Mund soll meines Herzens Bosheit sagen, / Sonst wird mein Herz, verschweig’ ich sie, zerspringen: / Und ehe das geschehe, will ich frei / Und über alles Maß die Zunge brauchen ...» So sagt es Katharina in Shakespeares «Der Widerspenstigen Zähmung»; man hätte sich auch Richard Strauss’ Ehegespons Pauline de Ahna in dieser Rolle vorstellen können. Ob das Stück...
