Glamour à la Hollywood
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser Außenseiter mit den richtigen Karten beim Glücksspiel in die Hautevolée einkaufen zu können und so an seine ferne Geliebte aus jenen Kreisen heranzukommen.
Der Hermann in der Neuinzenierung von Peter Tschaikowskys «Pique Dame» an der Düsseldorfer Oper am Rhein ist ein zerwühlter Künstlertyp vom Schlage eines E.T.A. Hoffmann. Beeindruckt und doch angewidert von der ihn umgebenden feinen Gesellschaft, auf der Suche nach wahren Gefühlen säuft und spielt er sich ins Delirium.
Regisseurin Lydia Steier beschwört mit einem grellen Mummenschanz – Dienstmädchen in Bunnykostümen, Gesellschaftshaie in Galagewandung und Kinder in Cowboytracht nach Westernmanier – das gute alte Hollywood. Das passt (wenngleich es manchmal ein bisschen albern wirkt), steht doch das amerikanische Glitzerfilmland der Dekadenz im Milieu der reichen Oberschicht ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Josef Oehrlein
Rot, rot, immer wieder rot. Warum fällt den Kostümbildnern für starke Frauen immer nur das eine ein? Auch Clémentine Margaine muss im neuen Berliner «Don Quichotte» als Dulcinée natürlich die Hallo-Ich-Bin-Begehrenswert-Signalfarbe tragen. Weil Katrin Wolfermann der schwangeren Sängerin aber ein denkbar spießiges Kleid mit Schleife am Hals verpasst und der...
Die Sache mit der Banane, das spürte er, war keine gute Idee. Das Zweit-Rendezvous fällt daher anders aus, im schimmernden Rokoko-Gewand, das Affen eher selten tragen. Und nun mit einer silbernen Rose in der Hand, an der die Angebetete schnuppert: «Hat einen starken Geruch …»? Zu diesem Satz kommt es nicht, wir befinden uns schließlich bei Hans Werner Henze. Aber...
Am Ende zieht Roger seine Lackschuhe aus und begrüßt an der Rampe emphatisch die aufgehende Sonne. Aber er bleibt nicht, wie im Libretto vorgesehen, mit seinem arabischen Ratgeber Edrisi allein. Zwar ist die den Verlockungen des göttlichen Hirten erliegende Menge abgezogen, doch seine Frau Roxana, der Erzbischof, die Diakonissin und ein kleiner Junge bleiben...
