Ausgefranst
«Werktreue» haben Susanne Herrnhausen und Gerhard Brunner ihre Zürcher Agentur getauft, die erste und bislang einzige, die sich auf Vermittlung von Opernregisseuren spezialisiert. Ein altmodischer Name, der schon einiges aushalten musste! Er fällt uns unweigerlich wieder ein, oder vielmehr, auf die Füße, jedes Mal, wenn wir ein Opernhaus betreten, in dem einer der Herrnhausen-Brunner-Künstler gerade inszeniert, sei es Calixto Bieito oder Andriy Zholdak. Diesmal ist es Tatjana Gürbaca, die ein Stück über das Sterben in Szene gesetzt hat, mit Musik von Aribert Reimann.
«L’Invisible» ist Reimanns jüngste Oper, ein Triptychon nach Maurice Maeterlinck. In lakonisch klarer Klangsprache erzählt sie von drei der vielen menschlichen Unmöglichkeiten, sich abzufinden mit dem Tod: trostlos karg zu Anfang, märchenhaft wissend und grell-bitter am Ende. Die Berliner Uraufführung im Herbst 2017 wurde zu einem Triumph, es gibt bereits eine CD-Aufzeichnung. Das Staatstheater Braunschweig wagte nun die erste Neuproduktion.
Gürbaca beginnt mit dem Inszenieren im Parkettfoyer, sie hat dazu den Videokünstler Yang Zhenzhong eingeladen. Menschen aus aller Welt, allen Altersklassen bevölkern die Wand, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Eleonore Büning
Madame Clément, wenn wir auf die einst so schöne Zauberstadt Paris blicken – was sehen wir da gegenwärtig, und was sehen wir vielleicht auch nicht?
Paris ist eine ewige Schönheit, die mich nach wie vor tagtäglich berührt, obwohl ich da geboren bin. Die Schönheit geht jedoch mit einem gewissen Konservatismus einher: Jegliche Veränderung kann auch als Bedrohung...
Krisenzeiten haben ihre eigene Dynamik. Wenn der Blick in die Zukunft sich trübt, die Gegenwart undurchschaubar wirkt, nur die Verklärung einer «heilen» Vergangenheit Halt zu bieten scheint, drohen konkrete Sorgen und diffuse Ängste das Prinzip Hoffnung und die Lust auf Morgenrot im grauen Nebel eines alle kreativen Ideen lähmenden Notstandsbewusstseins zu...
Am Ende zieht Roger seine Lackschuhe aus und begrüßt an der Rampe emphatisch die aufgehende Sonne. Aber er bleibt nicht, wie im Libretto vorgesehen, mit seinem arabischen Ratgeber Edrisi allein. Zwar ist die den Verlockungen des göttlichen Hirten erliegende Menge abgezogen, doch seine Frau Roxana, der Erzbischof, die Diakonissin und ein kleiner Junge bleiben...
