Ausgefranst
«Werktreue» haben Susanne Herrnhausen und Gerhard Brunner ihre Zürcher Agentur getauft, die erste und bislang einzige, die sich auf Vermittlung von Opernregisseuren spezialisiert. Ein altmodischer Name, der schon einiges aushalten musste! Er fällt uns unweigerlich wieder ein, oder vielmehr, auf die Füße, jedes Mal, wenn wir ein Opernhaus betreten, in dem einer der Herrnhausen-Brunner-Künstler gerade inszeniert, sei es Calixto Bieito oder Andriy Zholdak. Diesmal ist es Tatjana Gürbaca, die ein Stück über das Sterben in Szene gesetzt hat, mit Musik von Aribert Reimann.
«L’Invisible» ist Reimanns jüngste Oper, ein Triptychon nach Maurice Maeterlinck. In lakonisch klarer Klangsprache erzählt sie von drei der vielen menschlichen Unmöglichkeiten, sich abzufinden mit dem Tod: trostlos karg zu Anfang, märchenhaft wissend und grell-bitter am Ende. Die Berliner Uraufführung im Herbst 2017 wurde zu einem Triumph, es gibt bereits eine CD-Aufzeichnung. Das Staatstheater Braunschweig wagte nun die erste Neuproduktion.
Gürbaca beginnt mit dem Inszenieren im Parkettfoyer, sie hat dazu den Videokünstler Yang Zhenzhong eingeladen. Menschen aus aller Welt, allen Altersklassen bevölkern die Wand, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Eleonore Büning
Mit Wagner hat die Musik von Philippe Manoury eigentlich nicht viel zu tun. Jedenfalls beim ersten Höreindruck. Die strudelnden Ströme, die vulkanisch bebenden Flächen, das gleißende Licht und all die krachenden Gewitter, die Manourys Klangfantasie immer wieder freisetzen, bilden schon eine Welt für sich. Eine Welt, die dauernd in Turbulenzen zu geraten, ständig...
Allzu oft bekommt man ihn nicht zu sehen, den «Ring» an der Met. Im April und Mai traten Nibelungen, Götter und Kohorten nach sechsjähriger Pause wieder an. Am Pult stand mit Philippe Jordan ein in New York selten anzutreffender Gast. Zur gespannten Erwartung trug auch Michael Volle bei, der nach seinem Rollendebüt als Wanderer im ersten der beiden Met-Zyklen auch...
Der See, über dem die Amme zu Beginn der «Frau ohne Schatten» ein geisterhaftes Licht wahrnimmt, lässt in Vincent Huguets Wiener Neuinszenierung an jenes bleiche unterirdische Gewässer denken, an dem – glaubt man Gaston Leroux – ein gespenstischer Maskenmann hauste und seinem dämonischen Orgelspiel frönte. Dieser «See» existiert tatsächlich, ein Grundwasserbecken...
