Glänzendes Metall
Der Schock sitzt bei denen, die sie kannten, nach wie vor tief. Im Juni vergangenen Jahres erlag die belgische Sopranistin Jodie Devos einem Krebsleiden, im Alter von nur 35 Jahren. Florian Sempey hat ihr nun sein neues Album mit Arien, Szenen, Duetten und Chören von Grétry, Gounod, Thomas, Donizetti, Tschaikowsky, Wagner, Orff und anderen zugeeignet – eine schöne Geste, die eindrücklich zeigt, dass Empathie im hartumkämpften Operngeschäft nicht gänzlich aus der Mode gekommen ist.
Und vielleicht hat der französische Bariton sogar an die ehemalige Kollegin gedacht, als er Wolframs Szene und Lied «O du mein holder Abendstern» aus dem «Tannhäuser» ins Studiomikrophon hauchte.
Schon an diesem Stück kann man sehen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sein können, vergleicht man Sempeys Interpretation beispielsweise mit der von Christian Gerhaher, die nach wie vor exemplarisch genannt werden darf. Die Dik -tion ist beim Franzosen weit wolkiger (was auch daran liegen mag, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist), der Klang wölbt sich stärker, die Intensität des Gesangs, das nach außen drängende Espressivo, ist größer als bei Gerhaher, der dieses Lied ganz und gar zurückgenommen, ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Medien, Seite 28
von Virginie Germstein
Gesundheitsapostel hat es schon vor 100 Jahren gegeben. Einer der schlimmsten: Graf Gil, männliche Hauptperson in Wolf-Ferraris Intermezzo «Il segreto di Susanna», uraufgeführt 1909. Der Herr hasst das Qualmen, selbst auf der Straße fühlt er sich vom Tabaksgeruch belästigt, und im eigenen Haus nimmt seine Überempfindlichkeit ehegefährdende Dimensionen an, vermutet...
Vorn, am linken Bühnenrand, liegt, schlafend, das Tier. Ein Kojote. Der aber zum Glück kein echter Kojote ist – die wolfsähnlichen Steppenwölfe gelten als gefährlich. Dieser ist erstens nicht echt, sondern ein Mensch in Glitzerkleidung mit hochhackigen Schuhen und als Kojote maskiert (der Choreograph des Abends, Ivan Estegneev), er ist zweitens auch ein Freund der...
Ein ähnliches Setting des Stücks hatte 2019 auch Regisseur Floris Visser dem Publikum am Badischen Staatstheater Karlsruhe beschert: Das vermeintliche Einheitsbühnenbild hat einen Zwilling auf der Drehbühne. So auch an der Opéra national du Rhin. Zweimal hat Christof Hetzer seinen perspektivisch stark nach hinten verjüngten Raum mit der Ornamenttapete gebaut –...
