Gladiatorenschurz und Clownsnase
Vor 75 Jahren, ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, ließen im Sommer einige Kulturhungrige am Bodensee nahe dem Ufer in Ermangelung einer intakten Spielstätte zwei Kieskähne zusammenspannen: Auf dem einen saß das Orchester, auf dem anderen agierten Sänger und Tänzer, gegeben wurden Wolfgang Amadé Mozarts Schäferspiel «Bastien und Bastienne» sowie als Ballett die «Kleine Nachtmusik». Aus der schnurrig-improvisierten Idee entwickelte sich ein besucherstarkes Opernfestival: die Bregenzer Festspiele mit weltweit größter Seebühne.
Nach dem Ausfall durch die Pandemie im vergangenen Jahr schien nun 2021 alles wie in den Jahrzehnten zuvor. Zur Eröffnung Bundespräsident, Kanzler und österreichische Provinzpolitiker, dichtgedrängt Smoking, dezente Tracht, auch mal ein langes Kleid. Die niedrigen Infektionszahlen machten es in Österreich möglich. Volle Säle und damit in der Vorarlberger Landeshauptstadt 1.700 Zuschauer im Festspielhaus und knapp 7.000 unter freiem Himmel. Ohne Maske. Lediglich geimpft, genesen oder getestet musste das Publikum sein; die Kontrolle der Nachweise ging zügig und weniger nervenzerfetzend als offenbar an anderen Orten vonstatten.
Die bald nach der Eröffnung ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Festspiele Bregenz, Seite 28
von Götz Thieme
Mit Lullys «Cadmus et Hermione» begann die Geschichte der Tragédie en musique, der großen französischen Oper. Jean-Baptiste Lully und sein Textdichter Philippe Quinault vereinigten 1673 mehrere Theatergenres zu einer neuen Gattung, die sich in Frankreich rund 100 Jahre zu behaupten vermochte.
Die klassische Tragédie en musique, ein alle Register der Bühnenkunst...
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Unbedingt! Das ist mir sogar sehr nahe. Denn die Arbeit am Theater...
