Gespenstisch subtil
Was zunächst erstaunt bei dem heiklen Stoff: Sláva Daubnerová verweigert jede Aktualisierung oder ideologische Kontextualisierung. Doch die Zurückhaltung der slowakischen Regisseurin, Schauspielerin und Autorin bekommt Shchedrins «Lolita»-Oper ausgezeichnet. Das Stück bietet genug Deutung, nicht nur durch die subtile musikalische Textur, sondern auch dank des vom Komponisten erstellten Librettos, das als eigenständiger Kommentar über den Roman Vladimir Nabokovs hinausgeht.
Der Plot des Originals: Der Literaturwissenschaftler Humbert Humbert verliebt sich in die zwölfjährige Dolores Haze und lässt sich, um in der Nähe des Mädchens zu sein, auf eine Ehe mit deren Mutter Charlotte ein. Als die bei einem Autounfall umkommt, ist Humbert plötzlich alleiniger Erziehungsberechtigter, geht mit Lolita auf einen zweijährigen Roadtrip, vergewaltigt sie wiederholt, tötet den Nebenbuhler Quilty und stirbt schließlich im Gefängnis, bevor man ihm den Prozess machen kann. Shchedrin folgt weitgehend der Romanhandlung, moralisiert sie allerdings, indem er ans Ende das Todesurteil setzt. Die Ambivalenz der Geschichte, ihr Schwanken zwischen Fantasie und Wirklichkeit, die Rolle Lolitas, halb ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Volker Tarnow
Christina Pluhar
Sie sucht das Unerhörte, Ungewöhnliche, Überraschende. Mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata erkundet die Lautenistin und Harfenistin das Terrain der Alten Musik – um es mit Experimenten, Modernisierungen und kühnen Repertoire-Erweiterungen aufzufrischen. Künftig will sie sich vor allem um Bühnenwerke kümmern. Ein Gespräch
Hans Abrahamsen
Er hat ein...
Alfredo Casella (1883-1947) war ein Hauptvertreter der so genannten «generazione dell’ottanta», die sich radikal von der spätromantischen Wagner-Nachfolge wie vom italienischen Verismo abwandte und die Zukunft der Musik in der Rückbesinnung auf die alten Formen, in einem bewussten Klassizismus sah. Im Musiktheater bedeutete das eine Abkehr von mythologischen und...
Alle Beschränkung beglückt», vermerkte Arthur Schopenhauer. Er tat dies in Hinsicht auf seine Erkenntnistheorie, nicht auf den von Arnold Schönberg geschaffenen «Verein für musikalische Privataufführungen». Doch im geschärften Blick auf das Wesentliche mögen sich gemeinsame Glücksmomente ergeben – etwa in der musikalischen Bearbeitung, die Schönberg Gustav Mahlers...
