Gespenstisch subtil
Was zunächst erstaunt bei dem heiklen Stoff: Sláva Daubnerová verweigert jede Aktualisierung oder ideologische Kontextualisierung. Doch die Zurückhaltung der slowakischen Regisseurin, Schauspielerin und Autorin bekommt Shchedrins «Lolita»-Oper ausgezeichnet. Das Stück bietet genug Deutung, nicht nur durch die subtile musikalische Textur, sondern auch dank des vom Komponisten erstellten Librettos, das als eigenständiger Kommentar über den Roman Vladimir Nabokovs hinausgeht.
Der Plot des Originals: Der Literaturwissenschaftler Humbert Humbert verliebt sich in die zwölfjährige Dolores Haze und lässt sich, um in der Nähe des Mädchens zu sein, auf eine Ehe mit deren Mutter Charlotte ein. Als die bei einem Autounfall umkommt, ist Humbert plötzlich alleiniger Erziehungsberechtigter, geht mit Lolita auf einen zweijährigen Roadtrip, vergewaltigt sie wiederholt, tötet den Nebenbuhler Quilty und stirbt schließlich im Gefängnis, bevor man ihm den Prozess machen kann. Shchedrin folgt weitgehend der Romanhandlung, moralisiert sie allerdings, indem er ans Ende das Todesurteil setzt. Die Ambivalenz der Geschichte, ihr Schwanken zwischen Fantasie und Wirklichkeit, die Rolle Lolitas, halb ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Volker Tarnow
Da geistert eine Figur durchs Geschehen, die haben sie in den Proben den «Tod» genannt. Später heißt er Hippolyte. Er taucht bald hier auf, bald dort. Verschwindet wieder, ist nicht greifbar. Geheimnisvoll, gespenstisch wird er zur heimlichen Hauptperson, zum Stichwortgeber, zum Drahtzieher. Der Tod, das muss ein Wiener sein? Man spielt den «Rosenkavalier» von...
Ihre Eltern sind Opernsänger. Stand Ihr Berufswunsch damit früh fest?
Im Gegenteil, ich wollte lieber Diplomat oder Psychologe werden. Auf keinen Fall Opernsänger. Weil ich wusste, wie riskant das ist. Mit 17 habe ich dann doch meine Stimme ausprobiert. Und war nicht sonderlich überzeugt. Ich merkte aber, dass sie auf andere stark wirkte.
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Anne Sofie von Otter in strengem Schwarz mit Gretchenfrisur als L’Opinion publique konnte dieses Jahr im Salzburger «Orphée aux enfers» mit der speziellen Sympathie des Publikums rechnen. Doch die «Öffentliche Meinung» schien auch an der Salzach weit über Offenbachs Opéra-bouffon hinaus wirksam. Sind ihre eigentlichen Spiel- und Jagdwiesen nun doch – es lebe die...
