Gespenstersonate
Die Pistole hat Hermann immer dabei, auch als er Lisa zum ersten Mal umarmt. Wie zwei Verlorene klammern sich Brandon Jovanovich und Asmik Grigorian aneinander, verloren in der Welt, verloren an den Tod.
Woran sollten sie sich auch sonst festhalten? Die Gesellschaft ist nur maskierte Masse in Benedict Andrews Inszenierung von Tschaikowskys «Pique Dame», das Fest in St. Petersburg (aus dem das Schäferspiel gestrichen ist) eine einförmige, eintönige Choreografie.
Auf einer Tribüne wird der Chor der Bayerischen Staatsoper hereingeschoben, aus dem Nebel kommend wie alles in der nachtschwarzen Blackbox, in die Rufus Didwiszus die Bühne des Münchner Nationaltheaters gekleidet hat. Die Ästhetik von Victoria Behrs Kostümen weist nach Osteuropa, ins Russland der Gegenwart möglicherweise: Halbweltfiguren in einem Milieu an der Grenze zum Verbrechen.
Neu sind die Bilder nicht, zu denen sich der Regisseur von der Ästhetik des Film noir hat inspirieren lassen, nicht der schäbige Chic und auch nicht die Fleischbeschau, die Andrews gern betreibt, wenn sich Lisa und Polina im zweiten Bild auf vier Autos räkeln oder Hermann im fünften seine Verlorenheit mit Prostituierten zu betäuben versucht. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Michael Stallknecht
Herr Kohlhepp, war der Salzburger Manolios in Bohuslav Martinůs Oper «The Greek Passion» ein Schritt in Richtung neues Rollen-Biotop? Weil man nicht mehr so edelmütig bis passiv sein muss wie als Don Ottavio oder Tamino?
Ein Rollen-Image, das man vielleicht hat, sucht man sich nicht unbedingt selbst. Man hat ein gewisses Timbre, also werden einem automatisch...
Schenkt man sich Rosen in Tirol», «Ich bin die Christel von der Post», «Wie mein Ahnl zwanzig Jahr»: Die Dichte an Wunschkonzertschlagern ist wohl in keiner Operette höher als in Carl Zellers «Vogelhändler». Am Münchner Gärtnerplatztheater kommt jetzt noch einer dazu, da, wo im Original der «Rheinwalzer» lauert: «Du, mein Bayernland, bist so schön». Regisseur Bernd...
Offenbachs Opéra bouffe «Die Banditen» steht zu Unrecht im Schatten bekannterer Hits aus seiner Feder – sie ist selbst einer. Musikalisch zeigt sich eine Perlenkette mit raffinierten Chören («Sie trappen, sie trappen, sie trappen, sie trappen, sie trappen!») und Ensembles, wie es jener vom «Mozart des Champs-Élysées» kultivierten Form einer Edeloperette würdig ist....
