Geschnippelt und geklebt
Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich liebt, sieht er es als seine Aufgabe an, die Partituren gegen Libretti zu verteidigen, die nur selten seinem eigenen, sagen wir: post-sozialistischen Gesellschaftsbild entsprechen.
Aus dieser Spannung hat Konwitschny viele grandiose Theaterabende geformt, in denen er aus alten Stoffen verblüffende Lehren für die Gegenwart gezogen hat. Manchmal aber wächst ihm der Kraftakt der Anverwandlung einfach chaotisch über den Kopf – wie im Fall der «Frau ohne Schatten», der gründerzeitlich aufgepumpten Märchenoper von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, die Konwitschny nach der japanischen Premiere im vergangenen Jahr jetzt am Bonner Opernhaus vorstellte. Als «Versuch einer Annäherung» wird die Produktion etwas kleinlaut an -gekündigt – treffender wäre wohl «dekonstruierte Neufassung». Und die trifft diesmal auch die Partitur ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Struck-Schloen
Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20. Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses...
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne...
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie...
